Pferdehaltung
Vergiftung durch Bergahorn: Ernst nehmen, aber nicht panisch werden

Blatt BergahornZoombild vorhanden

Foto: Christine Seidl

Was ist die atypische Weidemyopathie?
Bei der atypischen Weidemyopathie handelt es sich um eine Vergiftung durch Hypoglycin A. Bei dem Gift handelt es sich um eine Aminosäure, die den Fettsäurestoffwechsel und den Aminosäuremetabolismus der Muskelzellen unterbricht. In Folge kommt es zu einer Schädigung der Muskulatur, auch der Atem- und Herzmuskulatur.
Wodurch wird die atypische Weidemyopathie verursacht?
Der Giftstoff befindet sich in Keimlingen und Samen des Eschen- und Bergahorns. In Süddeutschland spielt vor allem der Bergahorn eine Rolle. Keimlinge sind im Frühjahr, Samen im Herbst zu finden. Der Giftstoff kann durch Fressen dieser Keimlinge und Samen aufgenommen werden als auch durch das Trinken kontaminierten Wassers. Eine exakte Angabe zur tödlichen Dosis ist bislang wissenschaftlich nicht untersucht. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass bereits geringe Mengen (ca. 160 Samen) zu einer tödlichen Vergiftung führen können.
Woran erkenne ich die atypische Weidemyopathie?
Da die Symptome leicht mit anderen Erkrankungen, beispielsweise einer Kolik, zu verwechseln sind, ist das Erkennen der atypischen Weidemyopathie häufig sehr schwierig. Als Symptome können auftreten: Steifheit, Festliegen, Apathie, Schwäche, Schwitzen, erhöhte Atem- und Herzfrequenz, Fressunlust, dunkel gefärbter Urin. Die Symptome treten meist 1 bis 2 Tage nach der Aufnahme auf und sind von Pferd zu Pferd sehr unterschiedlich.
Aufgrund der unspezifischen Symptomatik müssen die Symptome immer in Zusammenhang mit anderen Risikofaktoren gesehen werden. Zu den Risikofaktoren gehören, dass ein Eschenahorn oder Bergahornbaum auf oder in der Nähe der Weide steht, sich wenig Bewuchs auf Weide befindet, es sich um ein Jungtier handelt und das Pferd in schlechtem Futterzustand ist. Die Vergiftung ist im Blut und Urin nachweisbar.
Was ist zu tun, wenn der Verdacht zur atypischen Weidemyopathie besteht?
Es ist schnellst möglich der Tierarzt zu verständigen. Um dem Tierarzt die Diagnostik zu erleichtern, sollte dieser ausführlich über alle oben genannten Risikofaktoren aufgeklärt werden. Der Tierarzt wird schnellstmöglich mit Infusionen, Schmerzmitteln und Entzündungshemmern handeln.
Samen des BergahornsZoombild vorhanden

Foto: Christine Seidl

Wie kann ich mein Pferd davor schützen?
Bei neu gestalteten Weiden und Ausläufen soll auf die Pflanzung von Eschenahorn und Bergahorn verzichtet werden. Sollten diese Baumarten bereits vorhanden sein, sollte die Weide zur Zeit der Keimlinge (Frühjahr) und Samen (Herbst) nicht genutzt werden oder zumindest großzügig ausgezäunt werden. Um zu verhindern, dass große Mengen Keimlinge und Samen vom Pferd aufgenommen werden, ist bei schlechtem Futterangebot auf der Weide Heu zusätzlich anzubieten. Beim Aufstellen der Tränken auf der Weide sollte ebenfalls darauf geachtet werden, dass eine Kontamination des Tränkwassers mit Keimlingen und Samen nicht erfolgen kann.
Gefährlichkeit und Häufigkeit der atypischen Weidemyopathie
Wenn die Pferde bei Beginn der Behandlung noch Stehen können, besteht die Chance einer Heilung. Die Sterblichkeitsrate liegt jedoch bei etwa 80 %. Das schnelle Erkennen und Eingreifen durch den Tierarzt ist daher äußerst wichtig.
Über die Häufigkeit der atypischen Weidemyopathie ist recht wenig bekannt. Während in den 8 Jahren von 2000 bis 2008 auf ganz Europa gesehen insgesamt 750 Fälle bekannt wurden, waren es im Jahr 2009 allein etwa 370 Fälle. Über die Häufigkeit in den letzten Jahren ist nichts bekannt. Es ist davon auszugehen, dass es aufgrund der schwierigen Diagnostik eine hohe Dunkelziffer gibt. Ein Anstieg in den letzten Jahren kann möglicherweise durch die weit verbreitete Trockenheit in Europa und damit verbundener geringem Futteraufwuchs auf der Weide und gleichzeitiger erhöhter Produktion von Samen erklärt werden.
Fazit
Eine Vergiftung mit Eschen- und Bergahorn ist aufgrund der hohen Sterblichkeit sehr ernst zu nehmen. Die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung ist jedoch als gering einzustufen. Mit gutem Weidemanagement und fachgerechter Bepflanzung der Weiden kann das Risiko stark reduziert werden.

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