Sortenempfehlung Wintergerste Herbst 2019

Sortenversuch Wintergerste Bieswang

Sortenversuchsfeld

Oft gute Erträge trotz schwierigster Bedingungen

Am Standort Rudolzhofen erfolgte die Aussaat am 28.9.2018 in einen gepflügten, völlig ausgetrockneten Boden. Die weiterhin sehr trockenen Bedingungen ließen den Großteil der Pflanzen erst im November auflaufen, so dass die Bestockung erst im Frühjahr erfolgte. Die Feuchtigkeit kam im Mai gerade noch rechtzeitig, um den dünnen Bestand gut zu bestocken und eine brauchbare Bestandesdichte bilden zu lassen. Der Krankheitsdruck war am Standort gering; nur Zwergrost und Ramularia traten nennenswert auf.
Zur Ernte am 16.7.2019 erreichten die zweizeiligen Sorten einen Durchschnittsertrag von 89,5 (Stufe 1) bzw. 96,9 (Stufe 2) dt/ha und die mehrzeiligen Sorten einen Durchschnittsertrag von 86,9 (Stufe 1) bzw. 95,7 (Stufe 2) dt/ha. Die Mehrerträge in den ortsüblich behandelten Stufen 2 sind nicht nur auf einen Fungizid-, sondern auch auf einen Wachstumsregler-Effekt zurückzuführen, da in einzelnen Sorten Lager auftrat. Angesichts der schier hoffnungslosen Vorwinter-Entwicklung kann das Ergebnis durchaus als gut bezeichnet werden.
Standort Bieswang
Der Versuch in Bieswang (Lkrs. WUG, auf dem Jura) wurde zum ortsüblichen Termin am 20.9.2018 in feuchten Boden gesät und lief dank der kurz danach gefallenen Niederschläge zügig auf. Aufgrund der großen Trockenheit im August war der Ausfall-Winterweizen vor der Saat noch nicht aufgelaufen und führte später zu deutlichem Besatz mit Weizen und letztlich auch zu einer Verzögerung des Erntetermins. Die für den Jura ungewöhnlich lange Vegetation bis in den Dezember hinein begünstigte ferner das Auftreten von Zikaden. Das von ihnen übertragene Weizenverzwergungsvirus führte im Frühjahr zu einer deutlichen Ausdünnung des Bestandes. Ein etwas späterer Saattermin hätte freilich diese Infektionen vermindert, hätte aber andererseits aufgrund der insgesamt trockenen Herbstwitterung sicher zu einem deutlich schlechteren Feldaufgang geführt. Außerdem dankt die Wintergerste auf dem Jura unter den Bedingungen der vergangenen Jahre mit eher frühem Vegetationsende erfahrungsgemäß Saattermine um den 20. September mit entsprechend guter Vorwinterentwicklung. Letztlich bleibt hier nur der Rat, Infektionsquellen für Verzwergungsviren (Ausfallgetreide, verungraste Flächen) rechtzeitig vor dem Aufgang der Gerste zu beseitigen.
Der späte Vegetationsbeginn Ende April führte zu eher dünnen Beständen. Die Trockenheit im April und die niedrigen Temperaturen im Mai hielten den Krankheitsdruck gering, wobei in einigen Sorten nennenswert Zwergrost, Mehltau und Netzflecken auftraten. Ramularia trat heuer relativ spät auf und hatte daher keinen so großen Ertragseinfluss wie in früheren Jahren. Nach dem Ährenschieben wurde zum Teil Befall mit Gerstenflugbrand sichtbar, der aber nicht ertragsrelevant war. Einen größeren Einfluss auf den Ertrag dürfte die sogenannte Laternenblütigkeit gehabt haben, die in einigen Sorten infolge der deutlichen Nachtfröste von Anfang Mai stärker auftrat. Der Versuch wurde am 18.7.2019 geerntet.
Die beschriebenen Umstände in Verbindung mit der raschen Abreife erklären den schlechten Durchschnittsertrag bei den zweizeiligen Sorten von nur 74,1 dt/ha in der unbehandelten Stufe 1 und auch den geringen Mehrertrag von nur 5,5 dt/ha in Stufe 2, so dass die Fungizidmaßnahmen nicht wirtschaftlich waren. Bei den mehrzeiligen Sorten lag der Ertragsdurchschnitt zwar mit 80,8 dt/ha in Stufe 1 bzw. 89,4 dt/ha in Stufe 2 deutlich höher; das gewohnt hohe Ertragsniveau des Standortes konnte jedoch auch hier nicht erreicht werden.
Folgende Sorten werden zum Anbau im Dienstgebiet des Fachzentrums Pflanzenbau am AELF Ansbach empfohlen, wobei diese Sorten alle resistent gegenüber dem Gelbmosaikvirus-Typ 1 sind:
Inzwischen liegen auch die Verrechnungen über die Anbaugebiete vor.
Sandra (Bauer/IG Pflanzenzucht)
Die Sorte liegt heuer am Standort Rudolzhofen ertraglich deutlich unter, am Standort Bieswang etwas über dem Durchschnitt des Sortimentes. Mehrjährig lieferte sie knapp durchschnittliche Erträge. Hervorzuheben sind ihre gute bis sehr gute Kornqualität, ihr großes Korn sowie das hohe Tausendkorngewicht. Sandra ist mittel bis gut standfest, aber unterdurchschnittlich winterhart. Beim Ährenknicken ist sie nur durchschnittlich eingestuft. Sandra ist anfälliger für Zwergrost, aber gut resistent gegen Mehltau. Die Resistenz gegen Blattverbräunungen ist unterdurchschnittlich.
California (Limagrain)
California liegt ertraglich auf dem Niveau von Sandra, fiel jedoch heuer am Standort Bieswang in der Stufe 2 deutlich ab. Die Kornqualität ist unterdurchschnittlich. California ist mittel bis gut resistent gegen alle Blattkrankheiten. Sie neigt kaum zum Ährenknicken und ist mittel bis gut standfest.
KWS Infinity (KWS Lochow)
Die neuere Sorte liefert konstant überdurchschnittliche Druschergebnisse. Sie ist gut resistent gegen Zwergrost, aber anfälliger für Mehltau. Bei den Merkmalen Standfestigkeit und Halmknicken ist sie mittel, beim Ährenknicken mittel bis gut eingestuft. Die Winterhärte ist durchschnittlich. Die Sorte hat eine leicht unterdurchschnittliche Kornqualität.
SU Vireni (Ackermann/Saatenunion)
Die im Jura/Hügelland (AG 23) empfohlene Sorte erreicht mehrjährig nicht mehr ganz den Durchschnitt des Sortimentes und fiel am Standort Bieswang heuer sogar deutlich ab. Sie hat eine durchschnittliche Kornqualität. Ihr größter Vorteil ist die exzellente Standfestigkeit mit der besten Einstufung unter den empfohlenen Sorten. SU Vireni eignet sich daher besonders für Güllebetriebe und Standorte mit hoher N-Nachlieferung. Sie ist gut resistent gegenüber Mehltau, mittel gegenüber Netzflecken und Rhynchosporium und anfälliger für Zwergrost und Blattverbräunungen.
Begrenzt empfohlen werden:
Caribic (Limagrain)
Die Sorte zeichnet sich durch ihre Resistenz gegen beide Pathotypen des Gelbmosaikvirus‘ (Typ 1 und Typ 2) aus. Sie wird nur für jene Standorte empfohlen, auf denen die anderen, nur gegen den Virus-Typ 1 resistenten Sorten ausgangs Winter vorübergehend die typischen Vergilbungssymptome zeigen. In erster Linie sind hiervon Standorte betroffen, auf denen in der Vergangenheit der Fruchtfolgeanteil der Wintergerste mehr als 50 % betrug. Ertraglich liegt die Sorte auf knapp durchschnittlichem Niveau. Sie ist gut standfest und hat Schwächen bei Mehltau und Rhynchosporium. Die Sorte wird künftig nicht mehr vermehrt, soll aber einen ebenbürtigen Nachfolger erhalten.
KWS Liga (KWS Lochow)
Die speziell als Winter-Braugerste empfohlene Sorte sollte nur nach Absprache mit einem Abnehmer angebaut werden. Für den Anbau als Futtergerste sind die Erträge zu schwach. Größtes Manko ist die hohe Anfälligkeit für Mehltau.
KWS Meridian (KWS Lochow)
Die durchschnittlich blattgesunde Sorte liegt ertraglich inzwischen im Mittelfeld, hat aber heuer am Standort Bieswang deutlich überdurchschnittliche Erträge erzielt. Sie ist in der Standfestigkeit leicht unterdurchschnittlich, in der Winterhärte aber überdurchschnittlich eingestuft. Bei den Blattkrankheiten ist vor allem auf Netzflecken zu achten.
KWS Higgins (KWS Lochow)
KWS Higgins setzt als heuer erstmals empfohlene Sorte neue Maßstäbe bei den Kornerträgen. Sie hat eine leicht unterdurchschnittliche Kornqualität bei mittlerer Standfestigkeit. Die Blattgesundheit ist bei Mehltau und Netzflecken gut und bei Rhynchosporium und den nichtparasitären Blattverbräunungen durchschnittlich. Besonderes Augenmerk ist jedoch auf Zwergrost zu legen.
SU Ellen (Nordsaat/Saatenunion)
Die nur im Jura/Hügelland (AG 23) empfohlene Sorte ist gegen beide Pathotypen des Gelbmosaikvirus‘ (Typ 1 und Typ 2) resistent, nicht jedoch gegen das Milde Gerstenmosaikvirus, das nach jetzigem Kenntnisstand weniger ertragsschädigend ist als die beiden zuerst genannten Typen. Dennoch sollte SU Ellen, wie auch die zweizeilige Sorte Caribic, nur auf Flächen angebaut werden, auf denen Probleme mit dem Virus-Typ 2 bestehen, da ansonsten die Resistenz gebrochen werden könnte, noch ehe der Typ 2 auftritt. SU Ellen ist gut standfest, zeigt aber Schwächen beim Ährenknicken, weshalb eine Behandlung mit einem Ethephon-haltigen Wachstumsregler auf das Fahnenblatt zu empfehlen ist. Die Sorte ist anfälliger für nichtparasitäre Blattverbräunungen, aber überdurchschnittlich gut resistent gegen Rhynchosporium. Ertraglich erreicht sie den Durchschnitt des Sortimentes nicht mehr ganz.

Die empfohlenen Sorten im Überblick

Informationen der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL)