Sortenempfehlung Winterroggen und Wintertriticale 2019

Versuchsernte

Mai-Regen rettete die Bestände – Winterroggen bewies Vorsprung in Trockenjahren

Am Standort Großbreitenbronn stehen die Landessortenversuche für Wintertriticale und Winterroggen.

Wintertriticale:

Der Versuch am Standort Großbreitenbronn (leichte bis mittlere Keuperlage, Nähe Triesdorf) wurde am 1.10.2018 in ein feines, sandiges, trockenes Saatbett gesät und lief dann sehr zögerlich und ungleichmäßig auf. Vorfrucht war Silomais; die Grundbodenbearbeitung erfolgte mit der Scheibenegge. Der Bestand kam unruhig und schlecht bestockt aus dem Winter und entwickelte sich im trockenen Frühjahr mit vielen kalten Nächten nur zögerlich. Dies änderte sich erst mit den ab 20. Mai reichlich gefallenen Niederschlägen, woraufhin sich der Bestand regulierte, indem er auch schwache Seitentriebe mit nach oben zog. An Blattkrankheiten spielte nur Braunrost in einzelnen Sorten eine Rolle, der jedoch durch die einmalige Fungizidspritzung in Stufe 2 sicher kontrolliert wurde. Es trat auch in der Stufe 1 (ohne Wachstumsregler und ohne Fungizid) kein Lager auf.
Zur Ernte am 25.7.2019 unter sehr trockenen Bedingungen erbrachte die unbehandelte Stufe 1 einen Durchschnittsertrag von 84,0 dt/ha und die ortsüblich behandelte Stufe 2 einen solchen von 88,2 dt/ha, so dass die höhere Intensität nicht wirtschaftlich war. In einzelnen Sorten war die Differenz aber deutlich größer, nämlich bis zu 15 dt/ha.
In Bieswang stand der Versuch auf dem gleichen Schlag wie der LSV Winterweizen. Die Aussaat erfolgte am selben Tag. Der Bestand entwickelte sich ebenso prächtig wie der Weizen. Beginnender Gelbrostbefall an der Sorte Tantris breitete sich nicht weiter aus. Keine Versuchsparzelle zeigte Lager, wobei in Bieswang zur Grundabsicherung des Versuches auch die Stufe 1 mit einer mäßigen Wachstumsregler-Menge behandelt wurde. In Stufe 2 wurde die Fungizid-Einmalbehandlung auf das voll entwickelte Fahnenblatt appliziert. Die Ernte erfolgte auch hier erst am 9.8.2019.
Trotz mäßigem Befall mit Mehltau und Rhynchosporium betrug die Differenz zwischen der extensiveren Stufe 1 (108,8 dt/ha) und der ortsüblich behandelten Stufe 2 (113,6 dt/ha) nur 4,8 dt/ha. Damit war auch hier die höhere Intensität nicht wirtschaftlich.

Folgende Sorten werden zum Anbau im Dienstgebiet des Fachzentrums Pflanzenbau am AELF Ansbach empfohlen:

Tantris (Dr. P. Franck/IG Pflanzenzucht)
Die Sorte liegt in beiden Anbaugebieten („Fränkische Platten“ und „Jura/Hügelland“) im Ertragsdurchschnitt des Sortiments, hat unter den empfohlenen Sorten die beste Einstufung bei der Standfestigkeit und ist mittel bis gut winterhart. Sie ist bei allen Blattkrankheiten durchschnittlich bzw. leicht überdurchschnittlich eingestuft und hat eine hohe Resistenz gegen Fusarium, womit sie bedingt auch für den pfluglosen Anbau nach Mais geeignet ist. Auf Befall mit Gelbrost sollte geachtet werden.
Lombardo (Lantmännen/Syngenta)
Die langjährig empfohlene Sorte liegt in beiden Anbaugebieten ertraglich an der Spitze des Sortiments. Lombardo ist sehr winterhart und gut durchschnittlich standfest. Die Blattgesundheit ist gut, mit Ausnahme von Braunrost, der am Standort Großbreitenbronn selbst in der mit Fungiziden behandelten Stufe 2 noch etwas zu finden war. Größtes Manko ist die nur durchschnittlich eingestufte Fusarium-Resistenz, so dass nach Mais eine Pflugfurche und gegebenenfalls eine gezielte Fusarium-Spritzung in der Blüte zu empfehlen ist.
Cedrico (Lantmännen/Syngenta)
Die standfeste Sorte liegt im Ertragsdurchschnitt des Sortiments und zeichnet sich durch ihr breites Resistenzspektrum, inklusive Fusarium, aus. Einzige Schwachstelle ist die nur unterdurchschnittliche Resistenz gegen Mehltau, der am Standort Bieswang in dieser Sorte am stärksten auftrat und daher in der Bestandesführung intensiv zu überwachen ist.
Robinson (Dr. P. Franck/IG Pflanzenzucht)
Die heuer erstmals und nur für die „Fränkischen Platten“ (AG 21) empfohlene Sorte verfehlt mehrjährig knapp den Ertragsdurchschnitt des Sortiments. Insbesondere in der unbehandelten Stufe 1 fiel sie aufgrund stärkerer Anfälligkeit für Braunrost deutlich ab. Robinson ist gut durchschnittlich standfest, hat unter allen empfohlenen Sorten die beste Einstufung beim Mehltau und gut durchschnittliche Einstufungen bei Gelbrost und Rhynchosporium. Gegen Blattseptoria ist sie nur durchschnittlich eingestuft. Am Standort Geslau wurde optisch ein höherer Befall mit Fusarium bonitiert, der sich auch in der nur durchschnittlichen Einstufung widerspiegelt. Mais als Vorfrucht, in Verbindung mit pflugloser Bodenbearbeitung, ist daher nicht zu empfehlen.
Temuco (Lantmännen/Syngenta)
Die Sorte ist neu in der Empfehlung für das Anbaugebiet „Jura/Hügelland“ (AG 23). Sie erreicht ertraglich überregional und auch mehrjährig nicht ganz den Durchschnitt des Sortiments, zeichnet sich aber durch eine sehr gute Standfestigkeit sowie gute bis sehr gute Resistenzen gegen Mehltau, Rhynchosporium, Gelb- und Braunrost aus und ist gut durchschnittlich resistent gegen Fusarium.
Weitergehende Informationen zu den empfohlenen Wintertriticale-Sorten finden Sie hier:

Sortenempfehlung Wintertriticale 2019 pdf 24 KB

Zur gezielten Nutzung als Ganzpflanzensilage (GPS) werden die Sorten Tender PZO, Trimasso, Tricanto und Borowik empfohlen.
Die ausführlichen Versuchsergebnisse aus den Landessortenversuchen, die Sortenbeschreibung sowie weitere Informationen finden Sie bei der LfL:

Wintertriticale - LfL Externer Link

Winterroggen:

Der Versuch stand in Großbreitenbronn auf dem gleichen Schlag wie der LSV Wintertriticale, wurde am selben Tag gesät und hatte bis Mitte Mai mit denselben Problemen zu kämpfen. Auch beim Roggen führte erst der reichliche Regen im Mai zu einem guten Bestand. Mehr als die Hälfte der Sorten zeigte in der unbehandelten Stufe 1 starken Braunrost-Befall, der allerdings in der einmal mit einem Fungizid behandelten Stufe 2 nicht mehr zu finden war. Auch leichtes Lager trat in einigen Sorten auf, war aber kaum ertragsrelevant. Teilweise war Mutterkorn zu finden.
Die Ernte erfolgte am 25.7.2019. Mit durchschnittlich 87,2 dt/ha in Stufe 1 und stolzen 100,1 dt/ha in Stufe 2 bewies der Winterroggen einmal mehr sein großes Leistungspotential auch und vor allem unter sehr trockenen Bedingungen. Der Mehraufwand für Wachstumsregler und Fungizide in Stufe 2 war wirtschaftlich.

Folgende Sorten werden zum Anbau im Dienstgebiet des Fachzentrums Pflanzenbau am AELF Ansbach empfohlen:

SU Forsetti (Hybro/Saaten-Union)
Die großkörnige Hybridsorte stand heuer sowohl in Großbreitenbronn als auch im Großraum Süddeutschland in der behandelten Stufe 2 ertraglich an der Spitze der empfohlenen Sorten und schneidet auch mehrjährig sehr gut ab. Sie hat leicht überdurchschnittliche Fallzahlen und eine mittlere bis gute Standfestigkeit. Die Resistenz gegen Mehltau ist gut, gegen Rhynchosporium mittel und gegen Braunrost leicht unterdurchschnittlich. Bei Mutterkorn ist SU Forsetti nur durchschnittlich eingestuft; dem Z-Saatgut für den Praxisanbau wird jedoch – anders als beim Versuchssaatgut – durch die Saaten-Union ein Anteil von 10 % Populationssaatgut zugemischt, wodurch die Bestäubung verbessert und der Mutterkornanteil gesenkt werden soll.
KWS Binntto (KWS Lochow)
Die Hybridsorte liegt auf dem gleichen Ertragsniveau wie SU Forsetti, weist die beste Standfestigkeit aller empfohlenen Sorten auf und bringt gute Fallzahlen. Sie ist überdurchschnittlich resistent gegen Rhynchosporium und Braunrost, aber unterdurchschnittlich resistent gegen Mehltau, der jedoch in Bayern nur selten stärker in Erscheinung tritt.
KWS Eterno (KWS Lochow)
KWS Eterno als Hybridsorte bringt sowohl ein- als auch mehrjährig sehr hohe Erträge. In der unbehandelten Stufe 1 steht die Sorte sogar an der Spitze des langjährig empfohlenen Sortiments, was auch auf ihre gute Resistenz gegen Braunrost zurückzuführen ist. Sie verfügt über eine mittlere Standfestigkeit und zeigte sich im Versuch in Großbreitenbronn dankbar für die Behandlung mit einem Wachstumsregler. KWS Eterno liefert gute Fallzahlen und ist gegen alle Krankheiten, mit Ausnahme von Mehltau, überdurchschnittlich resistent.
SU Arvid (Hybro/BSL)
Die Hybridsorte lieferte in Großbreitenbronn heuer zwar gute, aber keine Spitzenerträge; dafür stand sie im Vorjahr an der Spitze der empfohlenen Sorten. Überregional liegt sie sowohl heuer als auch im Vorjahr gleichauf mit den anderen empfohlenen Sorten. Sie ist mittel standfest und bringt nur mittlere Fallzahlen. Ihre Resistenzeinstufung ist bei Mehltau und bei Braunrost überdurchschnittlich, bei Rhynchosporium und bei Mutterkorn aber nur im Durchschnitt. Allerdings gilt hier das schon bei SU Forsetti Gesagte: Durch Zumischung von 10 % Populationsroggen durch den Hersteller soll der Mutterkornbefall in der Praxis geringer sein als im Versuch.
KWS Serafino (KWS Lochow)
Die Hybridsorte wird aufgrund ihres auch mehrjährig sehr hohen Ertragsniveaus erstmals empfohlen. Heuer zeigte sie am Standort Großbreitenbronn insbesondere in der unbehandelten Stufe 1 ihr hohes Leistungsvermögen, welches aus der sehr guten Blattgesundheit bei Mehltau, Rhynchosporium und auch Braunrost resultiert. Die Anfälligkeit für Mutterkorn ist gering, die Standfestigkeit durchschnittlich und die Fallzahlen sehr hoch.
Dukato (Hybro/Saaten-Union)
Ertraglich kann Dukato als die einzige empfohlene Populationssorte nicht mehr mithalten. Sie liegt auch mehrjährig um 14 % unter dem Versuchsdurchschnitt. Der Anbau von Populationssorten wird daher nur noch für sehr extensive Produktionsweisen auf extrem leichten, ertragsschwachen Sandstandorten empfohlen. Die Sorte ist trotz ihres längeren Halmes gut durchschnittlich standfest. Die Einstufung bei der Fallzahl ist nur mittel, ebenso wie bei der Resistenz gegen Rhynchosporium. Die Resistenz gegen Mehltau ist überdurchschnittlich, jene gegen Braunrost unterdurchschnittlich. Bei Mutterkorn weist Dukato nur eine geringe Anfälligkeit auf. Beim Anbau muss beachtet werden, dass die Fallzahl unter ungünstigen Bedingungen rasch absinken kann.
Weitergehende Informationen zu den empfohlenen Winterroggen-Sorten finden Sie hier.

Sortenempfehlung Winterroggen 2019 pdf 22 KB

Zur gezielten Nutzung als Ganzpflanzensilage (GPS) werden die Sorten KWS Progas, Helltop und Brandie empfohlen.
Die ausführlichen Versuchsergebnisse aus den Landessortenversuchen, die Sortenbeschreibung sowie weitere Informationen finden Sie bei der LfL:

Winterroggen - LfL Externer Link