Sortenempfehlung Winterweizen, Winterdinkel und Winterdurum Herbst 2019

Landessortenversuch Greimersdorf

Landessortenversuch Greimersdorf

Rasche Abreife verhinderte Spitzenerträge

Die Landessortenversuche für Winterweizen stehen auf den Standorten Greimersdorf und Bieswang.

Winterweizen:

Trotz relativ trockenem Boden bei der am 10.10.2018 am Standort Greimersdorf (bei Cadolzburg, Lkrs. FÜ) erfolgten Aussaat lief der Versuch größtenteils rasch auf, so dass der Bestand ausreichend gut entwickelt in den Winter ging. Im trockenen Frühjahr mit zwar warmen Tagen, aber vielen kalten Nächten, war eine normale Entwicklung zu beobachten. Ein kräftiger Schauer mit 9 mm Regen, der am 11. Mai lokal begrenz in Greimersdorf fiel, rettete den Bestand nach dem staubtrockenen April bis zum flächendeckend gefallenen Landregen ab dem 20. Mai. Dieser führte zu einem deutlichen Vegetationsschub, der sehr hohe Erträge erwarten ließ. Dank fehlendem Ausgangsbefall und – abgesehen vom Mai – trocken-warmer Witterung im Frühjahr mit kalten Nächten spielten Mehltau, Septoria tritici und auch Gelbrost am Standort kaum eine Rolle. Lediglich der Braunrost trat zur Abreife hin bei manchen Sorten stärker auf. Eine einmalige Fungizidmaßnahme kurz vor dem Ährenschieben hielt die Blattkrankheiten daher sicher unter Kontrolle. Wiederholte Niederschläge im einstelligen Bereich bei hohen Temperaturen machten zum Ende der Blüte auf dem pfluglos bestellten Weizen nach Vorfrucht Silomais eine Fusarium-Behandlung erforderlich. Lager trat im gesamten Versuch nicht auf. Die sehr hohen Temperaturen im Juni, verbunden mit einer ausgeprägten Trockenheit, beschleunigten die Abreife, so dass der Versuch bereits am 23.7.2019 mit sehr niedrigen Wassergehalten gedroschen werden konnte.
Erwartungsgemäß lag der Ertrag in der ortsüblich mit Wachstumsreglern und Fungiziden behandelten Stufe 2 mit 85,5 dt/ha um nur 2,8 dt/ha über jenem der unbehandelten Stufe 1 (82,7 dt/ha), was nicht für die Deckung der Mehrkosten ausreichte. Insgesamt war der Ertrag für diesen Standort durchaus gut, wenngleich nach den Mai-Niederschlägen zwischenzeitlich sogar ein Spitzenergebnis in Aussicht gestanden hatte.
In Bieswang (auf dem Jura, Lkrs. WUG) erfolgte die Saat am 5.10.2018 in ein optimales Saatbett nach Vorfrucht Winterraps. Der Bestand lief zügig und gleichmäßig auf und zeigte während der gesamten Vegetationszeit keine Mängel; auch Lager trat nicht auf, wobei in Bieswang zur Grundabsicherung des Versuches auch die Stufe 1 mit einer mäßigen Wachstumsregler-Menge behandelt wurde. In Stufe 2 erfolgte die Fungizid-Einmalbehandlung auf das voll entwickelte Fahnenblatt. Die Ernte verzögerte sich aus organisatorischen Gründen bis zum 9.8.2019, als dann mit erhöhten Wassergehalten gedroschen wurde.
Der Versuch brachte mit 103,6 dt/ha in Stufe 1 und 108,9 dt/ha in Stufe 2 einen sehr guten Ertrag. Der geringe Ertragsunterschied zwischen beiden Stufen von nur 5,3 dt/ha ist mit dem geringen Krankheitsdruck und dem erst späten Auftreten von Braunrost zur Milchreife hin zu erklären. Der Mehraufwand war gerade noch wirtschaftlich.

Folgende Sorten werden zum Anbau im Dienstgebiet des Fachzentrums Pflanzenbau am AELF Ansbach empfohlen:

E-Sorten:

Kerubino (Schmidt/IG Pflanzenzucht)
Nur noch im Anbaugebiet „Fränkische Platten“ (AG 21) wird Kerubino als frühreifer, ertragreicher Elite-Weizen mit knapper E-Qualität empfohlen, der notfalls auch als guter A-Weizen sicher zu vermarkten ist. Er zeigte sich im Auswinterungsjahr 2012 als ausgesprochen winterhart. Seine Standfestigkeit ist unterdurchschnittlich. Er ist mittel anfällig für Mehltau, Septoria tritici und Braunrost, hoch anfällig für Gelbrost und weniger anfällig für DTR und Fusarium. Seine nur mittlere Fallzahlstabilität ist bei der Ernteplanung zu berücksichtigen. Kerubino ist auch für Spätsaat und als Stoppelweizen geeignet und ist somit eine echte Allround-Sorte für dieses Gebiet.
Axioma (Secobra)
Axioma erreicht als ausgesprochene Qualitäts-Sorte meist nicht den Ertragsdurchschnitt des Sortiments, wobei der Ertrag am Standort Greimersdorf heuer überraschend gut war. Die Fallzahl-stabile Sorte zeichnet sich durch Bestnoten in Proteingehalt, Sedimentationswert und Backvolumen aus. Sie hat gute bis sehr gute Resistenzen gegen Mehltau, Blattseptoria, DTR, Gelbrost und Fusarium, aber nur mittlere gegen Braunrost. Sie ist überdurchschnittlich standfest, allerdings schwächer in der Winterhärte. Um eine gute Bestandesdichte zu erzielen, sollte die erste N-Gabe betont werden. Aufgrund ihrer sehr guten Qualität sollte ein höherer Preis vertraglich abgesichert werden.
KWS Emerick (KWS Lochow)
Die heuer für beide Anbaugebiete erstmals empfohlene Sorte liegt überregional ertraglich und auch im Rohproteingehalt auf dem Niveau von Kerubino, verfügt aber über eine bessere Einstufung beim Sedimentationswert und ist bei allen Blattkrankheiten sowie bei Fusarium überdurchschnittlich, bei Gelbrost sogar sehr gut, eingestuft. Insbesondere am trockenen Versuchsstandort Greimersdorf bewies sie nach 2018 auch heuer wieder ihr hohes Ertragspotenzial. Sie ist gut standfest und Fallzahl-stabil. Verglichen mit Kerubino wird KWS Emerick etwas später reif.

A-Sorten:

RGT Reform (R2n/R.A.G.T.)
RGT Reform ist ein ertragreicher Qualitäts-Weizen mit durchschnittlicher bis guter Blatt- und Fusariumgesundheit, guter Winterhärte und guter Standfestigkeit, der auch für Spätsaaten geeignet ist. Seine Bestockungsfreudigkeit führt in unserem Gebiet zu einer hohen Ertragsstabilität. RGT Reform ist kurz und standfest. Er ist daher die Standard-Sorte in diesem Segment in unserer Region. Der nur knappe Rohproteingehalt resultiert aus dem hohen Ertragsniveau. Beim Anbau ist zu beachten, dass bei ungünstiger Witterung, wie Trockenheit, Spätfrost oder großen Tag-Nacht-Schwankungen die Blätter häufiger stressbedingte Sprenkelungen aufweisen, die leicht mit DTR oder anderen Krankheiten verwechselt werden. Voreilige Fungizidanwendungen sind dann sinnlos.
Patras (DSV/IG Pflanzenzucht)
Die langjährig bewährte Sorte erreicht nicht mehr ganz das hohe Ertragsniveau von RGT Reform. Sie ist auch etwas weniger standfest, nicht so Fallzahl-stabil und etwas anfälliger für Braunrost, bringt dafür aber höhere Rohprotein-Gehalte und ist bei Gelbrost besser eingestuft. Die bei RGT Reform beschriebenen stressbedingten Blattlecken sind auch typisch für Patras. Trotz der Anfälligkeit für Halmbruch ist die Sorte als Stoppelweizen geeignet.
Spontan (Secobra/Limagrain)
Spontan wird nur noch für das Anbaugebiet „Jura/Hügelland“ (AG 23) empfohlen. Er liegt im Ertragsniveau deutlich unter dem Durchschnitt des Sortiments, zeichnet sich aber durch seine sehr hohen Rohproteingehalte aus. Die Sorte ist außerdem sehr standfest, sehr blattgesund und weist auch eine sehr gute Resistenz gegen Fusarium auf. Dies qualifiziert sie für den Anbau auf Risikoschlägen nach Mais.
Apostel (Streng/IG Pflanzenzucht)
Die wiederholt deutlich überdurchschnittlichen Erträge am Trocken-Standort Greimersdorf prädestinieren Apostel als Sorte für das fränkische Trockengebiet. Durch einen gewissen „Verdünnungseffekt“ sind die Rohproteingehalte jedoch nur unterdurchschnittlich, wodurch Apostel auch als Brauweizen geeignet ist. Apostel ist sehr blattgesund, mit Ausnahme von DTR, wo er nur durchschnittlich eingestuft ist. In einer gesunden Fruchtfolge mit wendender Bodenbearbeitung nach Mais erscheint Apostel somit als gute Variante zur Umsetzung des Integrierten Pflanzenbaus mit hohen Erträgen bei reduziertem Pflanzenschutz-Aufwand. In der Fallzahlstabilität erweist er sich als nur durchschnittlich, in der Winterhärte als gut.
Asory (Secobra)
Auch die in beiden Anbaugebieten heuer erstmals empfohlene Sorte Asory erwies sich nun zum zweiten Mal in Folge als ertragsstark in trockenen Jahren und ist somit bestens geeignet für die Verhältnisse im hiesigen Dienstgebiet. Trotz seiner schlechten Einstufung beim Rohproteingehalt hat er sehr gute Backeigenschaften, was auch als „hohe Rohprotein-Effizienz“ beschrieben wird. Er ist durchschnittlich standfest, wird etwas später reif und ist stärker anfällig für DTR. In allen anderen Blattkrankheiten, bei Fusarium und in der Fallzahl-Stabilität ist er überdurchschnittlich eingestuft.

B-Sorten:

Argument (Streng/IG Pflanzenzucht)
Die heuer in beiden Anbaugebieten neu empfohlene Sorte scheint bessere Böden mit guter Wasserversorgung zu bevorzugen, da sie am trockenen Standort Greimersdorf im Ertrag bisher nie den Versuchsdurchschnitt erreichte. Sie ist unterdurchschnittlich standfest und etwas später reif. Die Blattgesundheit ist bei allen Blattkrankheiten überdurchschnittlich, ebenso die Resistenz gegen Fusarium. Die Sorte könnte daher auch als Futterweizen Verwendung finden, wenn beispielsweise in der Ferkelerzeugung größter Wert auf niedrige DON-Gehalte gelegt wird.
Sheriff (Intersaatzucht/Secobra)
Sheriff war bisher als sehr Rohprotein-schwacher C-Weizen eingestuft. Durch eine Änderung bei den Anforderungen an die Weizenqualität steht er seit heuer im B-Sortiment, wodurch gemäß aktueller Düngeverordnung eine um 20 kg/ha höhere N-Düngung möglich ist. Die Empfehlung beschränkt sich auf die trockeneren „Fränkischen Platten“ (AG 21). Am Standort Greimersdorf erreicht er nur noch knapp den Ertragsdurchschnitt des Sortiments, schneidet überregional und auch mehrjährig aber noch sehr gut ab. Er ist standfest, etwas später reif und dankbar für eine Betonung der ersten N-Gabe. Für Mehltau, Septoria tritici, Gelb- und Braunrost ist Sheriff wenig, für DTR aber stärker anfällig. Die Fusarium-Resistenz ist nur durchschnittlich. Die Sorte ist resistent gegen die Orangerote Weizengallmücke, die hauptsächlich in Stoppelweizen auftritt.
Boss (Secobra/DSV)
Die nur für das Anbaugebiet „Jura/Hügelland“ (AG 23) empfohlene Sorte erzielt nur noch knapp durchschnittliche Erträge, ist aber bei den Blattkrankheiten, ausgenommen Septoria tritici und DTR, überdurchschnittlich eingestuft und ist gut standfest. Verbunden mit einer guten Resistenz gegen Fusarium macht sie dies zu einem geeigneten Weizen zur Verfütterung, wenn großer Wert auf niedrige DON-Gehalte gelegt wird und viel organischer Dünger verwertet werden soll. Ebenso ist Boss als Brauweizen geeignet.

C-Sorte:

Elixer (Borries-Eckendorf/Saaten-Union)
Elixer ist in beiden Anbaugebieten ein Hochertrags-Futterweizen mit guter Winterhärte und – abgesehen von DTR – guter Blattgesundheit. Seine DON-Gehalte sind mittel bis gering. Die etwas schlechtere Standfestigkeit ist vor allem bei organischer Düngung unbedingt zu beachten und der Wachstumsregelreinsatz darauf auszurichten. Die Sorte ist als Stoppelweizen und auch als Brauweizen geeignet.
Weitergehende Informationen zu den empfohlenen Winterweizen-Sorten finden Sie hier:

Sortenempfehlung Winterweizen 2019 pdf 134 KB

Die ausführlichen Versuchsergebnisse aus den Landessortenversuchen, die Sortenbeschreibung sowie weitere Informationen finden Sie bei der LfL:

Winterdinkel:

Grundlage der Empfehlungen sind die LSV-Ergebnisse der Versuchsstandorte Arnstein (Lkrs. MSP) und Frankendorf (Lkrs. ED).

Folgende Sorten werden zum Anbau im Dienstgebiet des Fachzentrums Pflanzenbau am AELF Ansbach empfohlen:

Franckenkorn (Franck/IG Pflanzenzucht)
Die altbewährte Sorte erreicht ertraglich nicht mehr ganz den Durchschnitt des Sortiments, findet aber bei einigen Abnehmern guten Absatz. Die Standfestigkeit ist unterdurchschnittlich, die Tausendkernmasse nur Durchschnitt, ebenso wie die Resistenzen gegen Mehltau und Braunrost. Für Gelbrost weist Franckenkorn nur eine geringe Anfälligkeit auf. Die Sorte ist auch als Stoppelweizen geeignet.
Badensonne (Raiffeisen/Hauptsaaten)
Vom Versuchsstandort Arnstein liegen für Badensonne leider keine aktuellen Versuchsergebnisse vor. In Frankendorf war der Ertrag heuer unterdurchschnittlich. Allerdings erzielte Badensonne im vorigen Jahr an beiden Standorten Spitzenerträge, was ihr auch überregional zum Spitzenplatz in der mehrjährigen Verrechnung verhilft. Die Sorte hat die beste Standfestigkeit unter den empfohlenen Sorten, ist aber etwas später reif. Bei den Blattkrankheiten ist besonders auf Mehltau und Braunrost zu achten, während die Anfälligkeit für Septoria tritici und Gelbrost geringer ist. Badensonne ist dankbar für eine intensivere Bestandesführung.
Hohenloher (Franck/IG Pflanzenzucht)
Die Sorte bringt in Franken mehrjährig überdurchschnittliche Erträge, ist gut durchschnittlich standfest und weist von allen empfohlenen Sorten die höchste Tausendkernmasse auf. Die Resistenzen sind gegen Mehltau, Blattseptoria und Braunrost durchschnittlich und gegen Gelbrost gut. Unbedingt zu beachten ist, dass die Sorte bei Herbizidmaßnahmen empfindlich auf Atlantis-Produkte reagiert. Auf Standorten mit starkem Ackerfuchsschwanz-Besatz sollte daher eine andere Sorte angebaut werden.
Zollernperle (Südwestdeutsche Saatzucht/Saaten-Union)
Die erstmals empfohlene Sorte erreichte heuer am Standort Arnstein ertraglich nicht das bisher gewohnte, hohe Ertragsniveau. Am Standort Frankendorf ist sie aber konstant leistungsstark. Sie bringt eine eher schwache Tausendkernmasse und ist gut durchschnittlich standfest. Die Blattgesundheit ist bei Mehltau und bei Gelbrost gut, bei Septoria tritici und bei Braunrost durchschnittlich.
Zollernspelz (Südwestdeutsche Saatzucht/Saaten-Union)
Die Sorte schneidet meist in der unbehandelten Stufe 1 relativ besser ab als in der behandelten Stufe 2, was auf ihre gute Blattgesundheit, insbesondere bei Gelb-, aber auch bei Braunrost und Mehltau, zurückzuführen ist. Die Kernqualität ist nur mäßig, die Reife etwas später. Die Sorte ist vor allem für bessere Lagen geeignet.
Weitergehende Informationen zu den empfohlenen Winterdinkel-Sorten finden Sie hier.

Sortenempfehlung Winterdinkel 2019 pdf 22 KB

Die ausführlichen Versuchsergebnisse aus den Landessortenversuchen, die Sortenbeschreibung sowie weitere Informationen finden Sie bei der LfL:

Winterdurum:

Grundlage der Empfehlungen sind die Versuchs-Ergebnisse des Standortes Giebelstadt (Lkrs. WÜ).

Folgende Sorten werden zum Anbau im Dienstgebiet des Fachzentrums Pflanzenbau am AELF Ansbach empfohlen, wobei generell nur mittlere bis gute Böden (Gau-Randlangen) in Frage kommen und Mais oder Weizen als Vorfrüchte ungeeignet sind:

Wintergold (Südwestdeutsche Saatzucht/Saaten-Union)
Die bisherige Standard-Sorte liegt bei den Erträgen konstant im Durchschnitt des Sortimentes. Winterhärte und Standfestigkeit sind gut durchschnittlich; die Qualität ist sehr gut. Die Resistenzen gegen Septoria tritici, Gelb- und Braunrost sind nur durchschnittlich, jene gegen Mehltau und Fusarium nur unterdurchschnittlich. Zu beachten ist die zum Teil schlechte Verträglichkeit des Herbizides Broadway.
Sambadur (Probstdorfer Saatzucht/Hauptsaaten)
Die heuer neu empfohlene Sorte liegt wiederholt ertraglich deutlich über Wintergold, nämlich um 5 bis 12 Prozent. Die Qualität ist geringfügig schlechter. Sambadur ist bei den Resistenzen gegen Braunrost genauso, gegen Mehltau, Septoria tritici und Gelbrost besser und gegen Fusarium schlechter eingestuft als Wintergold.