Sortenempfehlung Winterraps Herbst 2019

Rapsblüte

Kühl-feuchter Mai glich schlechte Startbedingungen teilweise aus

Der Anbauumfang von Winterraps wurde im Dienstgebiet aufgrund der ungünstigen Aussaatbedin-gungen deutlich eingeschränkt. Die meisten Bestände liefen schlecht und stark verzögert auf; zum Teil wurden bestellte Flächen wieder umgebrochen. Überwachsene Bestände waren die absolute Ausnahme, so dass wachstumsregulatorische Maßnahmen nur selten sinnvoll waren. Der Befall mit Rapserdfloh war mäßig.
Trockene Böden und teilweise raues Saatbett führten zu schlechten Herbizidwirkungen. Öfters wurde die Herbizidmaßnahme bis in den Spätherbst hinausgezögert oder gar auf das Frühjahr verschoben, bis eine endgültige Entscheidung für oder gegen einen Umbruch gefallen war.
Im Frühjahr präsentierten sich teils sehr schlechte, teils aber auch durchaus brauchbare Bestände. Der Zuflug von Stängelschädlingen setzte besonders im nördlichen Dienstgebiet schon Mitte Februar ein und führte dort zu einer ersten Insektizid-Spritzung in der dritten Februar-Dekade. Durch den häufigen Wechsel von wärmeren und kühleren Phasen erstreckte sich auch der weitere Zuflug über einen langen Zeitraum, so dass gegen Ende März überall die Bekämpfungsschwelle erreicht war und im genannten Gebiet manchmal noch eine zweite Spritzung gegen die Rüssler nötig wurde. Die Raps-blüte zog sich im kühlen Mai übe einen ungewöhnlich langen Zeitraum hin, was sich positiv auf die Ertragsbildung auswirkte. Gleiches gilt für die im Mai reichlich und im Juni ausreichend gefallenen Niederschläge.
Dadurch, und auch dank des guten Kompensationsvermögens von Raps durch stärkere Verzweigung dünner Bestände, konnte auf vielen Flächen noch ein durchschnittlicher Ertrag erzielt werden. Spitzenerträge kamen nur selten vor.
Weiterer Beizwirkstoff fällt weg
Nachdem die Wirkstoffe Imidacloprid, Thiamethoxam und Clothianidin schon länger im Raps verboten sind und entsprechend gebeiztes Saatgut seither nicht mehr ausgesät werden darf, ist nun auch die Zulassung des fungiziden Wirkstoffs Thiram zum 30.01.2019 widerrufen worden. Entsprechend gebeiztes Saatgut darf noch bis 31.01.2020 ausgesät werden, de facto also letztmals in diesem Herbst. Brauchen Sie also entsprechend gebeiztes Saatgut in diesem Herbst vollständig auf. Alternative fungizide Beizlösungen sind bereits am Markt.
Sortenempfehlung
Der Versuch in Lichtenau-Ballmannshof wurde am 22.7.2019 mit einem akzeptablen Durchschnittsertrag von 48,6 dt/ha gedroschen. Inzwischen liegt auch die Berechnung der Marktleistung vor.

Für das Anbaugebiet 9 (Fränkische Platten, Jura) werden folgende Sorten zum Anbau empfohlen, wobei es sich ausschließlich um Hybridsorten handelt:
Bender (DSV/Rapool)
Bei durchschnittlichen Kornerträgen in diesem und im letzten Jahr an den regionalen Versuchsstandorten Lichtenau-Ballmannshof bzw. Heilsbronn-Weiterndorf erzielte Bender 2019 dank seines hohen Ölgehaltes eine gut durchschnittliche Marktleistung. Hier liegt die Sorte auch mehrjährig im hiesigen Anbaugebiet über dem Durchschnitt.
Bei mittlerer Wuchshöhe ist Bender gut standfest. Hinsichtlich Phoma hat die Sorte eine Doppelresistenz und zeigt hier sehr gute Boniturwerte. Sie passt auf mittlere und schwerere Böden und sollte nicht zu früh gesät werden.
SY Saveo (Syngenta)
Die für alle Standorte geeignete Sorte brachte sowohl im vorigen als auch im aktuellen Jahr im Landkreis Ansbach gute, in Unterfranken jedoch schwache Erträge und Marktleistungen. Über das ganze Anbaugebiet Fränkische Platten/Jura gerechnet lag sie sowohl im Kornertrag als auch in der Marktleistung im Mittelfeld.
Die Standfestigkeit ist mittel bis gering, die Reife mittel bis spät.
Fencer (BASF)
Die Sorte erreichte regional heuer durchschnittliche Ergebnisse, überzeugte aber im Jahr 2018 durch sehr hohe Kornerträge und Marktleistungen. Sie liegt in der mehrjährigen Verrechnung im mittleren Bereich.
Gegen Phoma besitzt Fencer eine Resistenz und zeigt hier sehr gute Boniturwerte. Dafür ist sie stärker anfällig für Sclerotinia. Fencer ist für alle Standorte geeignet und bevorzugt mittlere bis spätere Saattermine.
Hattrick (NPZ/Rapool)
An den Versuchsstandorten Weiterndorf und Arnstein erreichte Hattrick im Jahr 2018 sehr gute Ergebnisse. Im aktuellen Jahr fiel er an beiden Orten deutlich ab. In der überregionalen Verrechnung liegt die Sorte allerdings mehrjährig leicht über dem Durchschnitt des Sortimentes. Im aktuellen Jahr enttäuschten Kornertrag und Marktleistung am Standort Ballmannshof; in Unterfranken lag beides im Durchschnitt.
Trotz größerer Wuchshöhe ist Hattrick gut standfest und weist eine durchschnittliche Phoma-, aber eine erhöhte Sclerotinia-Anfälligkeit auf. Die Sorte sollte im normalen Zeitraum gesät werden und kommt am besten mit mittleren Böden zurecht.
Trezzor (RAGT)
Sehr hohe Kornerträge in diesem und im letzten Jahr, kombiniert mit leicht überdurchschnittlichen Ölgehalten, ergaben in beiden Jahren bei Trezzor in Mittelfranken sehr gute Marktleistungen. Auch überregional erreicht die Sorte ein deutlich überdurchschnittliches Niveau.
Bei guter Standfestigkeit ist die Sorte stärker anfällig für Phoma und Sclerotinia. Allzu frühe Saattermine sind zu vermeiden. Trezzor eignet sich für alle Anbaulagen.
Attletick (RAGT)
Attletick erreichte an den regionalen Versuchsstandorten sowohl heuer als auch im Vorjahr beim Kornertrag nur knapp durchschnittliche Werte. Im Anbaugebiet Fränkische Platten/Jura liegt er dank guter Ergebnisse in Unterfranken jedoch auch mehrjährig leicht über dem Durchschnitt.
Die gut standfeste Sorte zeigt Schwächen bei der Phoma-Anfälligkeit und ist auch für Frühsaaten auf mittleren bis schweren Böden geeignet.
Menhir (NPZ/Rapool)
Die Sorte wird nur für Flächen mit nachgewiesenem Kohlhernie-Befall empfohlen. Ohne Befall erzielt sie nur deutlich unterdurchschnittliche Korn- und Ölerträge.
Die empfohlenen Sorten im Überblick
Weitergehende Informationen zu den empfohlenen Sorten finden Sie nachfolgend.

Rapssorten 2019neu pdf 65 KB

Ergebnisse der LfL
Nachfolgend finden Sie - sobald verfügbar - die Ergebnisse der Landessortenveruche im aktuellen sowie in den zurückliegenden Jahren

Versuchsberichte Winterraps - LfL Externer Link