Kartoffelanbau konzentriert sich auf typische Anbaulagen
Sortenempfehlungen Kartoffeln 2026

Kartoffelfeld mit SortenschildernZoombild vorhanden

LSV Dürrenmungenau

Nachdem auf den meisten Betrieben inzwischen der kleinflächige Kartoffelanbau für den Eigenbedarf oder auch der einst noch übliche Anbau von Futterkartoffeln für die Hausschweinehaltung eingestellt wurde, hat sich die Kartoffelanbaufläche in Mittelfranken auf dem niedrigen Niveau von gut 1.100 ha einigermaßen stabilisiert, wobei nach wie vor von Jahr zu Jahr ein leichter Rückgang zu verzeichnen ist. Der Schwerpunkt des Kartoffelanbaus liegt dabei mit zusammen derzeit ca. 725 ha in den Sandgebieten der Landkreise Roth und Ansbach.

Der für dieses Anbaugebiet repräsentative Landessortenversuch zu Kartoffeln steht in Dürrenmungenau, wo sowohl das sehr frühe und frühe als auch das mittelfrühe bis späte Speisekartoffel-Sortiment geprüft wird.

Guter Start nach dem Legen

Am Standort Dürrenmungenau (sandige Keuperlage bei Abenberg, Landkreis Roth) erfolgte die Pflanzung am 24.4.2025 in ein gepflügtes Feld nach Vorfrucht Winterroggen mit anschließender Zwischenfrucht Ölrettich. Die Legebedingungen waren günstig. Der Bestand lief rasch und recht gleichmäßig auf und entwickelte sich zunächst gut. Der extrem trockene und überaus heiße Juni führte vor allem beim frühen, aber auch bei einigen Sorten aus dem späteren Sortiment zur vorzeitigen Abreife und zum Absterben des Krautes. Nur einzelne frühe sowie die Mehrzahl der mittelfrühen bis späten Sorten zeigten sich bei einer Bonitur Ende Juli zumindest noch teilweise grün. Kräftige Niederschläge ab Mitte Juli führten bei einem Teil der bereits abgestorbenen Sorten zum Wiederaustrieb. Die bis dato noch einigermaßen grünen Sorten nutzten die gute Wasserversorgung, bildeten neues Kraut und setzten ihr Wachstum noch bis Ende August fort. Den heuer erst spät ansteigenden Krankheitsdruck mit Phytophthora hatte der Versuchsansteller mit insgesamt sechs Fungizidmaßnahmen sicher unter Kontrolle. Anfang September erfolgte wegen einiger noch grüner Parzellen eine Sikkation.

Trockenheit führte zu schlechten Erträgen

Während der Ernte am 30.9.2025 war der Boden feucht und es gingen im Lauf des Tages kräftige Schauer nieder, so dass selbst auf dem sandigen, Kluten-freien Boden leichter Erdanhang vorhanden war. Die sehr schlechten Knollenerträge von 192 dt/ha im sehr frühen und frühen und 275 dt/ha im mittelfrühen bis späten Sortiment waren das Ergebnis des überwiegend bereits im Juni abgestorbenen Krautes. Insbesondere im frühen Sortiment konnten nur wenige Sorten den im Juli einsetzenden Regen noch ausnutzen. Bei den Knollenbonituren wurden an einzelnen Sorten mehr oder weniger starke Mängel wie Schorf, Zwiewuchs, Glasigkeit oder Hohlherzigkeit erfasst. Vor allem aber fiel die durchwegs sehr kleine Sortierung auf: 32 % Untergrößen bei den früheren und 20 % bei den späteren Sorten sind beachtliche Werte. Hauptsächlich deshalb lag auch der LKP-Marktwarenertrag mit nur 125 dt/ha im früheren und 201 dt/ha im späteren Segment auf einem sehr niedrigen Niveau. Daraus errechnen sich Marktwarenanteile von 65 bzw. 73 %, womit diese jeweils um rund 10 % unter dem langjährigen Durchschnitt liegen.

Folgende Sorten werden zum Anbau in Mittelfranken empfohlen:

    Wega (Norika)

    Die eher kleinfallende Sorte mit tiefgelber Fleischfarbe bringt verlässlich gut durchschnittliche Knollenerträge bei meist gutem Marktwarenanteil. Im Jahr 2025 fiel sie im letztgenannten Merkmal etwas ab. Wega weist gut durchschnittliche Resistenzen gegen Krautfäule und Schorf auf, ist etwas anfälliger für Blattrollvirus und hat eine geringe Anfälligkeit für Y-Virus.

    Corinna (Europlant)

    Die als sehr früh bis früh eingestufte Sorte bringt regelmäßig weit überdurchschnittliche Knollen- und auch Marktwarenerträge. Corinna weist eine durchschnittliche Sortierung und eine sehr gute Resistenz gegen Y-Virus auf. Für Krautfäule ist sie durchschnittlich, für Schorf und Blattrollvirus unterdurchschnittlich anfällig.

    Goldmarie (Norika)

    Die als festkochend eingestufte Sorte erzielt am Standort Dürrenmungenau meist gut durchschnittliche Knollen- und Marktwarenerträge. Die Sortierung ist ausgewogen. Goldmarie weist eine tiefgelbe Fleischfarbe und sehr flache bis flache Augen auf, was zu einer guten Schälbarkeit führt. Die Sorte ist keimruhig und durchschnittlich anfällig für Krautfäule. Gegen Schorf, Y- und Blattrollvirus ist sie überdurchschnittlich resistent. Sie hat eine gute bis sehr gute Einstufung beim Geschmack.

    Mia (Norika)

    Mia brachte am Standort Dürrenmungenau in früheren Jahren unterdurchschnittliche Knollen- und sehr schlechte Marktwarenerträge, konnte sich heuer aber deutlich verbessern. Sie weist eine durchschnittliche Sortierung auf, ist keimruhig, stärker anfällig für Krautfäule und überdurchschnittlich resistent gegen Schorf, Y- und vor allem Blattrollvirus.

    Queen Anne (Solana)

    Die Sorte liefert in Dürrenmungenau mehrjährig zwar nur knapp durchschnittliche Knollen-, dafür aber deutlich überdurchschnittliche Marktwarenerträge. Die sehr flach bis flach sitzenden Augen verbessern die Schälbarkeit. Queen Anne produziert wenige Über-, aber auch nur wenige Untergrößen und weist eine hellgelbe Fleischfarbe auf. Die Keimruhe ist gut bis sehr gut. Für Krautfäule, Schorf und Y-Virus ist Queen Anne durchschnittlich und für Blattrollvirus hoch bis sehr hoch anfällig.

    Marabel (Europlant)

    Marabel schnitt im Jahr 2023 in Dürrenmungenau sehr schlecht, im heurigen Jahr aber wieder gut durchschnittlich ab, so dass sie auch mehrjährig sowohl im Knollen- als auch im Marktwarenertrag nicht mehr ganz den Durchschnitt des Sortiments erreicht. Die Sorte bevorzugt weite Fruchtfolgen auf mittleren bis guten Standorten und ist verhalten mit Stickstoff zu düngen, um die Speisequalität nicht negativ zu beeinflussen. Marabel ist weniger keimruhig als die anderen empfohlenen Sorten und ist recht anfällig für Krautfäule. Die Resistenzen gegen Y-Virus und Schorf sind überdurchschnittlich, jene gegen Blattrollvirus nur durchschnittlich.

    Gala (Norika)

    Nachdem Gala im Trockenjahr 2023 am Standort Dürrenmungenau einen weit unterdurchschnittlichen Knollenertrag geliefert hatte, erzielte sie heuer ein überraschend gutes Ergebnis. Auch im Marktwarenertrag lag sie in den letzten Jahren meist deutlich unter dem Durchschnitt des Sortiments. Sie bestätigt immer wieder ihre Einstufung als sehr kleinfallende Sorte mit unterdurchschnittlichem Über- und erhöhtem Untergrößenanteil. Gala erfordert daher eine Stickstoffdüngung, die nahe am Ergebnis der Bedarfsermittlung liegt. Die Sorte ist keimruhig. Ihre Resistenzen sind gegen Y-Virus gut bis sehr gut, gegen Krautfäule leicht unterdurchschnittlich und gegen Blattrollvirus gering.

    Lilly (Solana)

    Die als vorwiegend fest- bis mehligkochend eingestufte, früh bis mittelfrüh abreifende Sorte fiel im Jahr 2023 ertraglich deutlich ab, lieferte in diesem Jahr aber wieder durchschnittliche Erträge und weist durchschnittliche Marktwarenanteile auf. Lilly hat eine knapp mittlere Sortierung und ist anfällig für Krautfäule, aber überdurchschnittlich resistent gegen Schorf und Blattrollvirus.

    Merle (Solana)

    Die neu in der Empfehlung stehende, als vorwiegend festkochend eingestufte Sorte mit tiefgelber Fleischfarbe liefert am Standort Dürrenmungenau konstant weit überdurchschnittliche Knollen- und auch Marktwarenerträge, obwohl sie nur wenige Übergrößen produziert. Sie weist jedoch eine erhöhte Anfälligkeit für Krautfäule und vor allem auch für Y-Virus auf.

    Gaya (Solana)

    Als zweite neu empfohlene Sorte liefert die als mittelspät und fest- bis vorwiegend festkochend eingestufte Gaya außergewöhnlich hohe Knollen- und vor allem auch Marktwarenerträge, wobei letztere die schon extrem hohen Werte von Merle sogar noch übersteigen. Außerdem ist Gaya großfallender und keimruhiger als Merle und zeigt unter allen empfohlenen Sorten die beste Resistenz gegen Krautfäule. Allerdings ist sie anfälliger für Blattrollvirus und weist eine hellgelbe Fleischfarbe auf.

    Bernina (Europlant)

    Die als früh bis mittelfrüh eingestufte Sorte mit tiefgelber Fleischfarbe fiel in den letzten Jahren beim Knollenertrag deutlich ab und erzielt auch beim Marktwarenertrag nur noch knapp durchschnittliche Ergebnisse, die für eine festkochende Sorte aber noch akzeptabel sind. Zu beachten ist die flach bis mittel eingestufte Augentiefe, welche die Schälbarkeit etwas erschwert. Bernina ist keimruhig, sehr gut lagerfähig und weist eine sehr hohe Resistenz gegen Y-Virus auf, ist jedoch anfällig für das M-Virus und auch für Krautfäule. Um die Sortierung der großfallenden Sorte nicht zu sehr zu fördern, sollte eine verhaltene Stickstoffdüngung erfolgen.

    Sevim (Bavaria Saat)

    Sevim reift mittelspät ab und bringt konstant gut durchschnittliche Knollen- und Marktwarenerträge, jedoch mit flach bis mittel eingestufter Augentiefe. Die Sorte ist keimruhig, hat eine gute bis sehr gute Resistenz gegen Y-Virus und ist auch weniger anfällig für Krautfäule und Schorf. Für Blattrollvirus ist sie jedoch überdurchschnittlich anfällig.

    Belmonda (Solana)

    Belmonda erzielte unter den sehr unterschiedlichen Bedingungen der letzten Jahre stets hohe Knollen- und Marktwarenerträge. Die flach bis mittel eingestufte Augentiefe erschwert etwas die Schälbarkeit. Die Sorte ist recht großfallend und sehr keimruhig. Ihre Resistenzen sind gegen Krautfäule und Schorf durchschnittlich und gegen Blattrollvirus unterdurchschnittlich. Für Y-Virus ist sie hoch bis sehr hoch anfällig. Ein regelmäßiger Pflanzgutwechsel ist daher für einen erfolgreichen Anbau unabdingbar.

    Jelly (Europlant)

    Jelly ist als mittelspät eingestuft und erzielt regelmäßig weit überdurchschnittliche Knollen- und vor allem Marktwarenerträge mit sehr wenigen Unter- und sehr vielen Übergrößen. Aus der flach bis mittel eingestuften Augentiefe können etwas höhere Schälverluste resultieren. Jelly ist keimruhig, durchschnittlich anfällig für Krautfäule und Blattrollvirus und gut resistent gegen Schorf. Die Anfälligkeit für Y-Virus und auch für Fußkrankheiten nahm in den letzten Jahren zu, wodurch sich die Lagerfähigkeit verschlechtert hat.

    Karelia (Europlant)

    Karelia ist auf Flächen mit Pallida-Befall zur Bekämpfung beider Pathotypen zugelassen. Sie ist jedoch nicht ausreichend resistent gegen die Nematodentypen Ro 2, 3 und 5. Am Standort Dürrenmungenau belegte die mittelspät abreifende Sorte über mehrere Jahre hinweg den Spitzenplatz im Knollen- und im Marktwarenertrag, weshalb sie sich auch auf nicht von Nematoden befallenen Flächen gut etabliert hat. Das Fleisch der nur mäßig formschönen Knollen ist hellgelb, der Kochtyp vorwiegend fest- bis mehligkochend und die Augentiefe flach bis mittel eingestuft. Sortierung und Keimruhe sind gut. Gegen Y-Virus ist Karelia sehr gut, gegen Schorf gut bis sehr gut und gegen Blattrollvirus durchschnittlich resistent. Für Krautfäule ist sie etwas anfälliger.

    Spezielle Empfehlung für Nematodenstandorte:

    Olivia (Europlant)

    Speziell auf Standorten mit Nematodenbefall wird die Sorte Olivia empfohlen, die zur Bekämpfung aller relevanten Nematodenarten zugelassen ist. Sie lieferte in früheren Jahren gut durchschnittliche Knollen- und Marktwarenerträge bei einer unterdurchschnittlichen Sortierung, schnitt im heurigen Jahr jedoch deutlich schlechter ab. Die Augentiefe ist als sehr flach bis flach eingestuft, wodurch nur geringe Schälverluste entstehen. Die Sorte ist überdurchschnittlich resistent gegen Krautfäule, Schorf und Blattrollvirus und kaum anfällig für Y-Virus.

    Für den Vertragsanbau mit der Fa. Henglein werden die bereits beschriebenen Sorten Wega, Mia, Queen Anne, Marabel, Gala, Bernina, Sevim, Belmonda, Jelly, Karelia und Olivia empfohlen.

    Weitergehende Informationen zu den empfohlenen Kartoffel-Sorten 2026 pdf 109 KB