Gefahr für Mensch und Eiche
Eichenprozessionsspinner

EichenprozessionsspinnerZoombild vorhanden

© Dr. Gabriela Lobinger

Begünstigt durch den Klimawandel ist der Eichenprozessionsspinner (EPS) auf dem Vormarsch. Besonders betroffen sind alte, lichte Bestände mit hohem Eichenanteil sowie Waldränder, Alleen, Parkanlagen oder Einzelbäume. Durch seinen Fraß schwächt er die Bäume und die giftigen Brennhaare seiner Raupen können Menschen und Tiere gefährden.

Aktuell ist in der Region und in den südlich bzw. südöstlich angrenzenden Landkreisen zum Teil starker Befall durch den EPS festzustellen. Den Abschluss des Larvenfraßes erwarten wir Ende Juni. Zu diesem Zeitpunkt liegt auch der Höhepunkt der Entlaubung vor.

Biologie und Schadwirkung

Kahlfraß EichenprozessionsspinnerZoombild vorhanden

© Kathrin Rummer

Die Raupen schlüpfen im Frühjahr und fressen an Eichenblättern. Befallen werden Stieleiche, Traubeneiche und auch Roteiche. Der Name „Prozessionsspinner“ kommt daher, dass ältere Raupen oft in langen Reihen, also wie in einer Prozession, am Stamm oder in der Krone unterwegs sind. Tagsüber sammeln sie sich in Gespinstnestern am Stamm, an starken Ästen oder in Astgabeln. Bei starkem Befall können Eichen entlaubt oder sogar kahlgefressen werden. Dies ist aktuell im südlichen Landkreis zu beobachten. Eine gesunde und vitale Eiche kann einen einmaligen Fraß meist durch den Johannistrieb ausgleichen. Kritisch wird es, wenn starker Fraß mehrere Jahre hintereinander auftritt oder weitere Stressfaktoren dazukommen wie etwa Trockenheit, Eichenprachtkäfer oder Hallimasch.

Gesundheitsgefahr durch Brennhaare

Bekämpfung Eichenprozessionsspinner durch AbsaugenZoombild vorhanden

© Christoph Josten

Die nur bis 0,2 mm langen Brennhaare der Eichenprozessionsspinnerraupe stellen eine akute Beeinträchtigung für die menschliche Gesundheit dar. Sie brechen leicht ab, sind mit Widerhaken versehen und enthalten das lösliche Eiweiß "Thaumetopoein". Zum einen reizen die eindringenden Brennhaare die Oberhaut sowie die Schleimhäute mechanisch, zum anderen verursacht das enthaltene giftige Eiweiß eine allergische Reaktion, die bei verschiedenen Personen unterschiedlich stark ausfallen kann und bei wiederholtem Kontakt an Intensität zunimmt. Der direkte Kontakt mit den Raupen aber auch die Häutungsnester und die über Jahre am Baum oder am Boden verbleibenden Reste der Verpuppungsgespinste stellen eine anhaltende Gefahrenquelle dar. Das Toxin der Brennhaare ist über mehrere Jahre aktiv. Auch Tiere sind gefährdet!

Vorsichtsmaßnahmen:

  • Defensives Verhalten: befallene Areale meiden
  • Raupen und Gespinste nicht berühren
  • Bei Kontakt Kleidung wechseln, duschen und Haare waschen; Kleidung waschen bei 60 Grad, Schuhe reinigen
  • Holzernte- und Pflegemaßnahmen nur mit Körpervollschutz und Atemschutz durchführen
  • Bekämpfung nur von Fachleuten durchführen lassen: Nicht abflammen, kein Hochdruckreiniger oder eigenhändiges Entfernen. Dadurch werden die Brennhaare erst recht verteilt und das Gesundheitsrisiko ist enorm.

Bei Auftreten starker allergischer Symptome sollte ein Arzt aufgesucht werden. Der Patient sollte dabei auf den Kontakt mit den Raupenhaaren hinweisen.

Pflanzenschutzmitteleinsatz zur flächigen Bekämpfung des EPS?

Grundsätzlich gilt: kein Pflanzenschutzmitteleinsatz ohne Prognose. Gleichzeitig muss der Schutz der Eichen im Vordergrund stehen. Geht es primar um den Schutz von Menschen, greift das Biozidrecht und es gelten andere Bestimmungen. In vorgeschädigten Eichenbeständen mit weitestgehendem Kahlfraß in diesem Jahr ist ein Insektizid-Einsatz nach Pflanzenschutzrecht eine Handlungsoption für die Vegetationsperiode 2027. Dazu ist die Dokumentation des diesjährigen Kahlfraßes Voraussetzung – gefolgt von einer nachfolgenden Bestimmung der Gespinstdichten im Bestand durch staatliches Forstpersonal. Aktuell wird der Kahlfraß von Eichen in Eichenwäldern digital erfasst und dokumentiert, teilweise auch durch Luftbeobachtungsflüge.

Zukunftsbaum Eiche?

Eichennaturverjüngung

© Klaus Schreiber

Die Eiche ist und bleibt im Klimawandel für unsere Wälder unverzichtbar. Sie ist eine heimische Baumart, die perfekt an die tonigen Keuperstandorte angepasst ist. Im Laufe der Coevolution mit den Insekten hat sie zahlreiche Strategien entwickelt, um sich nach einem Fraß wieder zu regenerieren. In strukturreichen und gemischten Beständen, z.B. mit Hainbuche, Linde oder Elsbeere ist das Befallsrisiko und die Befallsintensität geringer. Es gilt also der Grundsatz: "Wer streut, rutscht nicht!"