Pflanzenschutzwarndienst für Mittelfranken
Aktuelle Hinweise vom 13. Mai 2022

Unser Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ansbach gibt regelmäßig aktuelle Pflanzenschutz- und Anbauhinweise zu wichtigen Kulturen für Mittelfranken.

Grundsätzlicher Hinweis zur Düngeverordnung

Aktuelle Düngeverordnung

Beachten Sie die Vorgaben der Düngeverordnung und der Ausführungsverordnung (Rote und Gelbe Gebiete). Die detaillierten Hinweise und aktuellen Vorgaben finden Sie im nachfolgenden Link.

Düngung und gesetzliche Grundlagen

Hinweise zur Ungras- und Unkrautbehandlung

Kornblume und Mohn

Kornblume und Mohn im Weizen

Aktuelle Situation
In Wintergetreide sollte grundsätzlich bis BBCH 39 auch auf Spätverunkrautung (z.B. Klette, Kamille, Kornblume, Distel, Winde u.a.) geachtet werden und diese bei entsprechendem Besatz beseitigt werden. Aufgrund der teils dünnen Bestände kann es in diesem Jahr zu mehr Problemen vor Ort kommen. Vor allem bei Wurzelunkräutern wie Distel und Winde scheint der Besatz zuzunehmen.
Behandlungen gegen Ungräser und Unkräuter sind im Sommergetreide bis Schossbeginn abzuschließen.
Auf Ungras-freien Standorten sollte auch die Möglichkeit einer mechanischen Beikrautregulierung mittels Striegel in Betracht gezogen werden.
Chemische Möglichkeiten finden Sie zu allen Bereichen bei der LfL.

Krankheitsbekämpfung

Das Monitoring hat am 11. April begonnen, die wöchentlich aktualisierten Ergebnisse finden Sie im Link zur LfL. Die Proben vom Montag dieser Woche zeigen nur einen langsamen Anstieg des Befalls mit Blattkrankheiten. Unsere Halmbruchbonituren zeigen nur auf Einzelschlägen einen etwas höheren Befall, die Mehrzahl ist unproblematisch. Das Halmbruch-Risiko kann über das Programm SIMCERC für die eigene Situation abgeschätzt werden. Das Programm ist über die Monitoringseiten der LfL erreichbar. Mit zunehmender Erwärmung muss nun in Verbindung mit den erfolgten Niederschlägen und morgendlicher Taubildung mit einem Ansteigen des Befalls gerechnet und entsprechend regelmäßig in den Beständen kontrolliert werden. Schnellschüsse sind aber zu vermeiden.
In Wintergerste Behandlung abschließen
Die Wintergersten befinden sich meist im Grannenspitzen bis Ährenschieben (BBCH 49-55). Im Vergleich zur Vorwoche hat der Befall mit Zwergrost und Rhynchosporium etwas zugenommen. Bei Rhynchosporium kommt dies noch von den Niederschlägen bis Anfang Mai, Zwergrost wird von der aktuellen Wetterlage (Wärme und morgendlicher Tau) gefördert. Ähnliches gilt für Netzflecken. Der erfolgte Umschwung zu warmer und strahlungsreicher Witterung fördert auch den Blattfleckenkomplex mit Ramularia, der sich in einigen Sorten schon in Form von zahlreichen Sprenkelungen zeigt.
Die Ramularia-Sprenkelkrankheit beeinflusst in den meisten Anbauregionen Bayerns die Gerstenerträge trotz ihres späten Auftretens maßgeblich. Schadschwellen lassen sich hier leider nicht nutzen. Wo bisher diese Krankheit in den Vorjahren stärker aufgetreten ist, wird deshalb eine Behandlung auch in scheinbar gesunden Beständen empfohlen. In der Regel wird sich eine Behandlung lohnen.
Der Kontaktwirkstoff Folpet ist auch heuer wieder über eine Notfallzulassung der Produkte Folpan 500 SC und Amistar Max in der Gerste verfügbar und sollte in typischen Ramularia-Gebieten genutzt werden. Zu 1,5 l Folpan 500 SC oder 1,5 l Amistar Max eigenen sich als breitwirksame Partner für die Abschlussbehandlung zum Beispiel 1,2 l Ascra Xpro, 1,5 l Balaya, 1,0 l Elatus Era, 1,0 l Gigant, 1,5 l Jordi oder 1,5 l Revytrex, kostengünstiger bei allerdings etwas reduzierter Wirkung auch 175 bis 200 g Prothioconazol, zum Beispiel über 0,7 bis 0,8 l Abran, Aurelia oder Traciafin (Aufwandmengen jeweils je ha). Ohne Folpet-Zusatz ist, bei meist etwas geringerer und unsicherer Wirkung, auch der Zusatz von Schwefel als Kontaktmittel möglich, wie zum Beispiel 4,0 l Thiopron oder 2,5 bis 4,0 kg S über sonstige Schwefelpräparate. Abschlussbehandlungen ganz ohne Folpet oder Schwefel sollten möglichst hohe Mengen an Mefentrifluconazol (in Balaya und Revytrex) oder Prothioconazol (in allen anderen oben aufgeführten Mitteln) nutzen, weil beide Wirkstoffe noch die beste Wirkung gegen Ramularia besitzen. Sie kommen aber nicht an Kombinationen mit Folpet heran. Nähere Hinweise finden Sie auch bei der LfL.

Monitoringergebnisse bei Wintergerste in Mittelfranken Externer Link

In Winterweizen besteht meist noch kein Handlungsbedarf zur Krankheitsbekämpfung
Weizen bewegt sich je nach Saattermin und Vorwinterentwicklung vom 1-Knotenstadium (BBCH 31) bis Spitzen des Fahnenblatts (BBCH 37), meist ist er im 2- bis 3-Knotenstadium (BBCH 32/33). Bisher befindet sich Septoria tritici in unseren Proben meist noch so weit unten (F-5 und F-6), dass eine Behandlung wenig Sinn macht. Teilweise ist Tritici noch gar nicht zu finden! Hier kann getrost abgewartet werden bis wieder Niederschläge fallen ,die den Bestand 2 Tage nass halten.
Gelbrost wurde bei uns bisher nur sporadisch an Einzelblättern gefunden. Aus anderen Regionen wird berichtet, dass Gelbrost nun auch bei RGT Reform, Patras, Elixer u.a. aufgrund vermutlich neuer Rassen stärker auftreten kann, regelmäßige Kontrollen sind daher grundsätzlich anzuraten. Sind in bisher unauffälligen und als überdurchschnittlich gesund eingestuften Sorten nur einzelne Blätter betroffen, kann noch abgewartet werden, bis die Rostschwelle von 30% befallener Pflanzen greift. Eine schnelle Behandlung ist nur in bekannt anfälligen Sorten (z.B. Kerubino) bzw. bei beginnender Nesterbildung notwendig. Verwechslungen mit gelben, sortentypischen Blattspitzen (z.B. in Patras, Axioma, Asory, LG Initial, RGT Reform u.a.) sind aber zu vermeiden, Rostpusteln lassen sich abwischen und hinterlassen auf den Fingern Farbspuren. Hält das derzeitige Wetter an, ist auch auf Braunrost zu kontrollieren. Halmbruch spielt in unseren Weizenproben keine nennenswerte Rolle.
Im LSV Arnstein (Lkr. MSP, Unterfranken) wurden im Dinkel verbreitet erste Gelbrostpflanzen gefunden. Kontinuierliche Kontrollen sind daher im Dinkel jetzt anzuraten. Stellen Sie Nesterbildung fest, sollte eine zeitnahe Vorlage eines Fungizids analog zum Triticale erfolgen. Auch bei Winterdurum wird in angrenzenden Regionen erster Gelbrostbefall gefunden, daher ist auch hier regelmäßig auf Gelbrost zu kontrollieren.

Monitoringergebnisse bei Winterweizen in Mittelfranken Externer Link

Roggen und Triticale jetzt auf Befall kontrollieren
Roggen hat das Fahnenblatt geschoben (BBCH 39), in Triticale spitzt es bzw. ist kurz davor (BBCH 33-37). Bekämpfungswürdiger Befall mit Krankheiten wurde bisher in unseren Proben nur sporadisch beobachtet. Bei Septembersaaten ist nun aber regelmäßig auf Rhynchosporium zu achten und v.a. bei Tantris und Cedrico zusätzlich auf Mehltau und bei Ramos, Tantris, Lombardo u.a. auch auf Gelbrost zu kontrollieren. Behandlungen werden nur empfohlen wenn derzeit mindestens die Hälfte der oberen vier Blätter Befall zeigen bzw. bei anfälligen Triticalesorten sich erste Gelbrostnester bilden, was in Einzelfällen der Fall war. Kontrollieren Sie daher solche anfälligen Sorten jetzt regelmäßig auf Gelbrost. Bei Befall ist in den anfälligen Triticale-Sorten eine Fungizidvorlage anzuraten. Beispiele: 1,0 l Input Classic, 1,0 l Input Triple, 0,8 l Verben, 1,0 l Revystar + 0,5 l Flexity oder 0,5 kg Unix + 0,5 l Pecari 300 EC sind breit wirksam, gegen Gelbrost alleine eignen sich zum Beispiel 1,2 l Orius oder 1,0 l Tebucur 250 EW, gegen Gelbrost und Mehltau zum Beispiel 1,6 l Kantik (Aufwandmengen jeweils je ha).

Monitoringergebnisse bei Wintertriticale in Mittelfranken Externer Link

Stressflecken nicht mit Krankheiten verwechseln
Die anfänglich in der Wintergerste vorhandenen Stressflecken fallen nicht mehr groß auf, da die oberen Blattetagen nun symptomfrei sind. In manchen Regionen zeigen sich aber noch beim Weizen in Sorten wie z.B. Axioma, Apostel, Asory, Patras, RGT Reform, LG Initial u.a. entsprechende Flecken. Verwechseln Sie diese nicht mit DTR, Gelbrost oder Septoria. Fungizide helfen hier absolut nichts. Krankheiten zeigen in der Regel einen gelben Hof bzw. Pilzstrukturen wie Pusteln beim Rost, ein Pilzgeflecht bei Mehltau, Sporenträger bei Netzflecken und DTR, schwarze Punkte (Pyknidien) bei Septoria. Mit einer Lupe sind sie meist ausreichend gut erkennbar.
In Sommergerste meist noch kein Handlungsbedarf
Sommergerste beginnt mit dem Schossen. Kontrollen sind derzeit in anfälligen Sorten bei Mehltau angezeigt, ansonsten besteht noch kein Handlungsbedarf.

Monitoringergebnisse bei Sommergerste in Mittelfranken Externer Link

Notfallzulassung von Folpan 500 SC und Amistar Max in Gerste erteilt
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat für die Präparate Folpan 500 SC (500 g/l Folpet) und Amistar Max (93,5 g/l Azoxystrobin + 500 g/l Folpet) wieder eine Notfallzulassung gegen Ramularia collo-cygni in Gerste für 120 Tage für jeweils 60.000 ha erteilt. Die zugelassene Aufwandmenge beträgt bei beiden 1,5 l/ha von BBCH 30 bis 59 mit maximal 1 Anwendung bei Infektionsgefahr bzw. Warndienstaufruf. Laut Notfallzulassung darf die Anwendung der Mittel nur erfolgen, wenn nachweislich mit den regulär zugelassenen Mitteln keine ausreichende Wirksamkeit erreicht werden kann. Eine nähere Definition, was ausreichend ist oder nicht, wird nicht genauer erläutert. Aus unseren Versuchen lässt sich jedoch ableiten, dass der Einsatz auf den bekannten Befallslagen mit Ramularia zu rechtfertigen ist. Zur eigenen Dokumentation kann dazu auch eine Checkliste ausgefüllt werden, die beim Handel und den Vertriebsfirmen erhältlich ist. Amistar Max bzw. Folpan 500 SC sind nur in Tankmischung mit einem anderen Mittel, welches entweder den Wirkstoff Mefentrifluconazol (z.B. Balaya, Revytrex) oder Prothioconazol (z.B. Ascra Xpro, Aviator Xpro, Elatus Era, Fandango, Gigant, Input Classic, Input Triple, Jordi, Proline, Traciafin und viele weitere Prothioconazol-Solopräparte) enthält, anzuwenden. Dies entspricht ohnehin der gängigen Empfehlung. Amistar Max wird firmenseitig nur im Pack mit Elatus Era vertrieben. Nachfolgend können Sie die Notfallzulassungen beim BVL abrufen.

Notfallzulassungen des BVL Externer Link

Aufbrauchfristen beachten

Mittlerweile wurde auch für Mittel mit dem Wirkstoff Cyproconazol (z.B. Mercury Pro, Minister, Sphere u.a.) und Prochloraz (z.B. Ampera, Kantik, Mirage 45 EC, Orius Universal, Rubin TT) die Zulassung widerrufen, diese Mittel können noch in der Saison 2022 aufgebraucht werden, die Mittel mit Prochloraz sogar noch bis 30.06.2023. Kontrollieren Sie ihr Lager auf Restbestände.

Mittel zur Spritzanwendung mit dem Wirkstoff Prochloraz (Ampera, Kantik, Mirage 45 EC) dürfen aufgrund einer Absenkung der Rückstandshöchstmenge in Gerste nicht mehr eingesetzt werden, die übrigen Zulassungen in weiteren Kulturen sind nun am 31.12.2021 abgelaufen. Es besteht noch eine Aufbrauchfrist bis zum 30. Juni 2023. Weiteres ist der BVL-Fachmeldung zu entnehmen.

Rapsblüte

Blühender Raps

Blütenbehandlung sinnvoll?
Die Stängelrüssler und Glanzkäfer sind nun mit Blühbeginn kein Thema mehr.
Vor dem Hintergrund der hohen Rapspreise wird nun die Frage nach der Blütenbehandlung im Raps intensiver diskutiert. Im langjährigen Schnitt der LfL-Versuche war die Blütenbehandlung in 60% der Fälle wirtschaftlich, wobei deutliche Jahrgangseffekte zu verzeichnen sind. Grundsätzlich sollte neben dem Erzeugerpreis in erster Linie die Infektionsgefahr bei Sclerotinia (Weißstängeligkeit, Rapskrebs) mit in die Entscheidung einbezogen werden. Hier weisen v.a. Betriebe mit einem hohen, langjährigen Rapsanteil in der Fruchtfolge (33%) ein höheres Risiko auf. Gleiches gilt aber auch für Betriebe, die zwar einen geringeren Rapsanteil aufweisen, dafür aber in den letzten Jahren verstärkt andere Wirtspflanzen wie Körnerleguminosen (Soja u.a.), Kartoffeln, Sonnenblumen angebaut haben. Eine gute Bodenfeuchte und feucht-warme Witterung zur Blüte begünstigen außerdem die Infektionen.

LfL Wirkungseinstufung Fungizide Externer Link

Aufgrund der bisherigen Niederschläge dürfte das Ausgangsrisiko von Sclerotinia-Infektionen in diesem Jahr daher erhöht sein. Das bestätigt auch das Prognosemodell in ISIP, das bisher schon für mehr als die Hälfte der simulierten Standorte des Dienstgebiets eine Behandlungsempfehlung ausspricht.
Sie können das Modell nach Anmeldung kostenfrei unter www.isip.de nutzen und die Infektionsgefahr vor Ort abschätzen lassen, die Trefferquote war bisher allerdings schwankend. Fazit: Wenn es nicht abrupt trocken und kühl wird (was derzeit nicht absehbar ist), kann es heuer bei entsprechender Fruchtfolge zu vermehrten Infektionen mit Sclerotinia kommen. Bei der LfL sind die Mittel hinsichtlich der Sclerotinia-Wirkung eingestuft. Der optimale Termin zur Sclerotinia-Behandlung ist gekommen, wenn die ersten Blütenblätter abfallen.
Die Zumischung eines Insektizids wird unter unseren Bedingungen kaum nötig sein und sollte nur erwogen werden, wenn ca. 1 Kohlschotenrüssler pro Pflanze gefunden wird (Kontrolle nachmittags bei Sonne und Wärme, etwas Geduld haben und dazu ruhig stehen bleiben, Rüssler krabbeln dann über die Blüten). Verzichten Sie nach Möglichkeit auf einen Insektizideinsatz in der Blüte.
Beachten Sie bei allen Behandlungen den Bienenschutz, verwenden Sie nur bienenungefährliche Mittel und Mischungen und behandeln Sie auch mit diesen möglichst erst nach dem täglichen Bienenflug. Dies reduziert eventuelle Wirkstoffeinträge in den Bienenstock. Die Verwendung von Dropleg-Düsen wäre optimal. Suchen Sie vor einer Behandlung auch das Gespräch mit dem Imker.
Rückblick auf den Herbst
Wenn Pflanzen sitzen bleiben, sollten diese kontrolliert werden, ob im Haupttrieb im Bereich des Vegetationskegels Larven zu finden sind. Haben diese drei Beinpaare und eine schwarze Kopfkapsel handelt es sich um den Rapserdfloh. Sind sie dagegen beinlos mit mehr bräunlicher Kopfkapsel liegt Befall mit dem Kohltriebrüssler vor. Maßnahmen sind nicht mehr möglich.

Informationen der LfL zum Pflanzenschutz in Raps

Hinweise zum Mais

Falter des Maiszünslers
Trichogramma-Einsatz
Die wirksamste Bekämpfung des Zünslers geschieht ackerbaulich durch ein möglichst intensives Mulchen/Schlegeln/Quetschen der Stängel. Die Bearbeitungsqualität ist bei trockenen Verhältnissen besser als bei feuchten. Ziel muss sein, dass auf der Bodenoberfläche keine intakten Stängelreste verbleiben, in denen sich der Zünsler verpuppen kann. Wenn möglich, sollte daher anschließend untergepflügt oder tief eingemischt werden.
Verbleibt intaktes Stoppelmaterial an der Oberfläche, ist eine Behandlung im nächsten Jahr sinnvoll, wenn im Herbst zur Ernte jede dritte bis zweite Pflanze befallen war.
Auch 2022 bestand die Möglichkeit, die Trichogramma-Ausbringung über AUM fördern zu lassen (Maßnahme B63, Antragstellung endete am 23.02.2022). Für Neueinsteiger beträgt die Laufzeit nur 1 Jahr, es muss die gesamte Maisfläche in die Maßnahme einbezogen werden, die Förderhöhe beträgt 50 €/ha und deckt damit einen deutlichen Teil der Kosten ab. Weitere Hinweise in iBALIS.
Hinweise zum Einsatz der Trichogramma bei Förderung nach AUM

Die nach AUM erforderliche Aufwandmenge umfasst 200.000-220.000 Nützlinge pro ha. Diese Zahl kann entweder durch 50 Trichogramma-Rähmchen/ha oder 100 Kugeln/Kapseln pro ha erreicht werden, wenn diese entsprechend hoch beladen sind. Zu beachten ist aber, dass die Hersteller unterschiedliche Aufwandmengen und Belegungen mit Nützlingen anbieten, um auf diese Zahlen zu kommen. Wir empfehlen aus langjähriger Erfahrung bei moderatem Befall eine zweimalige Ausbringung mit jeweils mindestens 110.000 Nützlingen pro ha und Ausbringung, in Regionen mit höherem Befall sollten mindestens 330.000 Nützlinge/ha (220.000 zur ersten und mindestens 110.000 zur zweiten Ausbringung) ausgebracht werden. So bietet beispielsweise der Maschinenring Ansbach diese zweimalige Ausbringung mit insgesamt 330.000 Nützlingen pro Hektar an. Auch bei der einmaligen Befliegung besteht die Wahlmöglichkeit zwischen 220.000 Nützlingen pro Hektar (100 Kugeln/ha) und 400.000 Nützlingen pro Hektar (125 Forte-Kugeln/ha). Außerdem werden neben den Kugeln auch Kärtchen für die Handausbringung angeboten, bei denen die höheren Ausbringmengen an Nützlingen realisiert werden. Eine rechtzeitige Vorbestellung bei den Anbietern (Maschinenring, Landhandel, Dienstleister) ist notwendig. Erkundigen Sie sich dort über das Angebot und die Preise. Bis zum 15.11. muss dann jährlich eine Kopie der Rechnungsbelege für die Trichogramma am AELF eingereicht werden, um zu belegen, dass alle Maisflächen mit der Mindestmenge behandelt wurden.
Die Wirkungsgrade der Trichogramma schwanken in unseren Versuchen meist zwischen 50 und 80%. Diese schwankenden Wirkungsgrade dürfen auf keinen Fall dazu verleiten, bei der Bearbeitung der Maisstoppeln und der nachfolgenden Bodenbearbeitung zu sparen. Die Trichogramma-Ausbringung ist nur als Ergänzung zu einer guten mechanischen Bekämpfung zu sehen und nicht als deren Ersatz. Verbleiben in der Flur zu viele befallene Maisstoppeln an der Bodenoberfläche, sind die Trichogramma überfordert und das Verfahren ist zum Scheitern verurteilt.

Neue Anwendungsbestimmungen für Terbuthylazin-haltige Pflanzenschutzmittel

Für alle derzeit zugelassenen Terbuthylazin-haltigen Pflanzenschutzmittel wird bis spätestens 14. Dezember 2021 die Anwendungsbestimmung NG362 zur Eingrenzung der maximalen Aufwandmenge von Terbuthylazin in einem Dreijahreszeitraum auf Mittelebene erteilt werden. Die Anwendungsbestimmung NG362 hat folgenden Wortlaut:
"Mit diesem und anderen Terbuthylazin-haltigen Pflanzenschutzmitteln darf innerhalb eines Dreijahreszeitraumes auf derselben Fläche nur eine Behandlung mit maximal 850 g Terbuthylazin pro Hektar durchgeführt werden."
Dies wird in engen Maisfruchtfolgen zu deutlichen Einschränkungen führen, die Herbizidstrategie ist an diese neue Vorgabe anzupassen. Es ist zu beachten, dass dabei auch zurückliegende Zeiträume zu berücksichtigen sind. Der Dreijahreszeitraum beginnt somit nicht erst mit dem Wirksamwerden der neu erteilten Anwendungsbestimmung. Der Anwender muss prüfen, ob in vorherigen Jahren bereits ein Mittel mit dem Wirkstoff Terbuthylazin angewendet wurde. Falls dies der Fall ist, ist die Anwendung im aktuellen Jahr unzulässig.
Wer maximal nur alle drei Jahre Mais auf derselben Fläche baut, hat durch diese Auflage keine Einschränkungen.
Den genauen Wortlaut der BVL-Fachmeldung hierzu finden Sie nachfolgend.

Mais beginnt mit dem Auflaufen

Erste Maisflächen erreichen das 2-Blattstadium. Damit werden in den nächsten Tagen die ersten Herbizidbehandlungen beginnen können. Möglichkeiten finden Sie nachfolgend bei der LfL.
Ziehen Sie auch mechanische Maßnahmen in Betracht.

Auflagen bei Boxer u.a. beachten

Beachten Sie bei Herbizidbehandlungen mit Mitteln, die den Wirkstoff Prosulfocarb enthalten (z.B. Boxer, Arcade), unbedingt die Auflagen zur Abdriftminderung, da der Wirkstoff immer wieder in anderen Kulturen gefunden wird. Die Düsen sind unbedingt auch mit dem Druck zu fahren, der für die 90% Abdriftminderung vorgegeben ist.
Warndienst Blattläuse

Der Warndienst startet erst mit dem Auflaufen der Kartoffeln.

Rückblick Blattlauszuflug 2021

Das Ende bekannter Mittel ist beschlossen

In Kartoffeln ist in den letzten Jahren eine Vielzahl an Mitteln nicht mehr zugelassen worden.
Mittlerweile wurde auch die Zulassung der Beize Emesto Silver vom BVL widerrufen. Für das Produkt gilt eine Abverkaufsfrist bis zum 1. September 2022 und eine Aufbrauchfrist bis zum 1. September 2023.

Schädlingsmonitoring hat begonnen

SBR-Symptome im RübenkörperZoombild vorhanden

SBR-Symptome im Rübenkörper

Mittlerweile treten die ersten Blattläusen an Rüben im Dienstgebiet auf. Teils wird auch Befall mit Erdfloh gefunden.
Neben Mospilan SG und Carnadine hat nun auch Pirimor G eine Notfallgenehmigung gegen Blattläuse in Zuckerrüben erhalten (siehe auch weiter unten stehenden Link). Außerdem haben zahlreiche Fungizide eine Notfallzulassung gegen Cercospora erhalten (siehe unten).
Die durch eine bestimmte Zikadenart übertragene Krankheit SBR ist erstmals 2019 im Grenzgebiet zu Baden-Württemberg schon sichtbar angekommen. Weder die Zikaden noch die Krankheit selbst können derzeit bekämpft werden. In 2020 waren im westlichen Dienstgebiet bereits zahlreiche Flächen befallen. Auch 2021 konnten im westlichen Bereich in nahezu allen untersuchten Proben SBR nachgewiesen werden (siehe Bild links).

Notfallzulassungen des BVL Externer Link

Schläge mit Cruiser-gebeiztem Saatgut weiter kontrollieren und Auflagen beachten

Das BVL hat für den Bereich der Zuckerfabrik Ochsenfurt 2021 eine Notfallzulassung für Cruiser 600 FS als Beize gegen Blattläuse erteilt. Alles weitere finden Sie in den unten aufgeführten Links und im Rohstoffportal der Zuckerfabrik.
Beachten Sie für die Folgekulturen bis 01.01.2023 Folgendes:
Es ist verboten, auf Flächen, auf denen das mit Thiamethoxam gebeizte Saatgut ausgebracht worden ist, im selben und im Folgejahr Zwischenfrüchte oder bienenattraktive Kulturen (insbesondere Raps, Sonnenblumen, Mais, Leguminosen, Kartoffeln, durchwachsene Silphie), die vor dem 01.01.2023 zur Blüte gelangen, anzubauen. Zwischenfrüchte dürfen nicht zur Blüte gelangen. In der Nachfolgekultur sind blühende Beikräuter zu vermeiden. Eine Brache ist als Folgekultur nicht möglich. Die betroffene Fläche darf auch nicht als Blühfläche genutzt werden.
Die Einhaltung wird amtlicherseits durch Kontrollen überprüft.
Bereits aufgelaufene Rüben sind in den nächsten Tagen auf Frostschäden zu kontrollieren.

Lupinen

Lupinen

Informationen für Neueinsteiger
Im Rahmen des bundesweiten Projektes Demonstrationsnetzwerk Erbse/Bohne (DemoNetErBo) haben Neueinsteiger die Möglichkeit, sich in einen E-Mail-Verteiler aufnehmen zu lassen.
Weitere Informationen dazu finden Sie im nachfolgenden Link.

Eiweiß - Bayerische Eiweißinitiative

In Erbsen noch auf Blattrandkäfer achten

Nur in spät auflaufenden Erbsen ist noch auf den Blattrandkäfer zu achten. Die Blätter haben in Folge des Fraßes am Blattrand ein Sägezahn-ähnliches Aussehen. Eine Behandlung mit z.B. Karate Zeon, Lamdex Forte, Hunter WG, Kaiso Sorbie wird empfohlen, wenn mehr als die Hälfte der Pflanzen Fraßsymptome zeigen. Im weiteren Verlauf kontrollieren Sie Erbsen und Ackerbohnen auch auf Blattläuse, die in Erbsen häufig zu spät wahrgenommen werden, da sie versteckt in den noch nicht geöffneten Blättern bzw. Blüten sitzen. Für Behandlungen sind leider nur mehr die schon vorher genannten Pyrethroide zugelassen. Pirimor Granulat darf wegen der abgelaufenen Aufbrauchfrist nicht mehr und Pirimor G wegen fehlender Zulassung in Leguminosen nicht eingesetzt werden. Damit müssen hier Wirkungseinbußen und eine weiter fortschreitende Resistenz bis hin zur nicht mehr ausreichenden Wirksamkeit hingenommen werden. Mittlerweile hat das BVL aber zumindest für 2022 eine Notfallzulassung von Teppeki in Ackerbohnen und Futtererbsen gegen Blattläuse als Virusüberträger erteilt. Die Aufwandmenge beträgt 140 g/ha, maximal 1 Anwendung, Bienenschutzauflage B2! Damit entspannt sich die Situation etwas. Nähere Informationen im unten stehenden Link zum BVL.
In Erbsen tritt auch relativ häufig der Erbsenwickler auf, dessen Larven dann in der Hülse die Körner ausfressen. Hier hat sich eine Behandlung mit Karate Zeon, Hunter WG, Lamdex Forte oder Kaiso Sorbie bewährt, wenn die ersten Hülsen im unteren Bereich angesetzt werden. Beachten Sie auch hier unbedingt den Bienenschutz. Leguminosen, die als ÖVF beantragt sind, dürfen nicht behandelt werden.

Unkrautregulierung oft nur im Vorauflauf möglich

Häufig sind in Leguminosen nur Vorauflaufanwendungen verfügbar, die aber nur bei ausreichend Bodenfeuchte sicher wirken. Daher sollten stark unkrautwüchsige Standorte gemieden werden. Bei entsprechenden Reihenabständen sind neben Hackstriegeln auch Hackgeräte zur mechanischen Unkrautregulierung einsetzbar. Beachten Sie, dass Leguminosen, die als sog. Ökologische Vorrangflächen (ÖVF) im Rahmen des Greenings angerechnet werden sollen, nicht mehr mit Pflanzenschutzmitteln behandelt werden dürfen.
Das BVL hat leider kurzfristig darüber informiert, dass die Zulassung von Gardo Gold in Lupinen zum 21.01.2022 widerrufen wurde, der Einsatz von Gardo Gold in Lupinen ist daher ab sofort nicht mehr erlaubt. Insofern sind die Empfehlungen im Erzeugerring-Rundschreiben Nr. 2 vom 24.02.2022 und im Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt vom 04.03.2022 bezüglich Gardo Gold in Lupinen hinfällig und nicht mehr umsetzbar! Es muss daher in Lupinen auf die Alternativen mit z.B. 2,0-3,0 l/ha Boxer + 2,0 l/ha Stomp Aqua oder 3,0-4,0 l/ha Spectrum Plus ausgewichen werden. Der Einsatz von Gardo Gold im Mais ist weiterhin laut Zulassung möglich. Bei Spectrum Plus ist die Drainauflage zu beachten.
In vergangener Woche gesäten Sojabohnen und Lupinen sollte, sofern chemisch vorgesehen, auf noch feuchten Boden die Vorauflaufanwendung erfolgen, sofern nicht schon geschehen.
Empfehlungen zum Herbizideinsatz in Leguminosen finden Sie bei der LfL.

Keine Flächenbehandlung mehr auf bayerischen Grünlandflächen erlaubt

Ampfer
Beachten Sie, dass ab 1.Januar 2022 nach Art. 3 Bayerisches Naturschutzgesetz auf Dauergrünlandflächen der flächenhafte Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verboten ist. Eine Einzelpflanzenbekämpfung bleibt weiterhin erlaubt.
Aktive Mauslöcher sollten sofort mit Giftweizen/Giftlinsen belegt werden (3-5 Körner/Linsen pro Loch verdeckt mit Legeflinte ausbringen). Auch das Aufstellen von Sitzstangen (1 bis max. 2 Stück pro ha) ist anzuraten.
Beachten Sie, die neuen Auflagen von Giftweizen bzw. Giftlinsen zum Einsatz in Vogelschutz- und FFH-Gebieten. Einsätze in Naturschutzgebieten sind generell verboten.
Beachten Sie auch die Vorgaben zur Mahd auf Grünlandflächen ab 1 ha nach Bayerischem Naturschutzgesetz sowie die grundsätzlichen Empfehlungen der LfL („Mähknigge“).

Hinweise der LfL - Der LfL-Mähknigge Externer Link

Wichtige rechtliche Änderungen bei Glyphosat und Gewässerabständen auch auf Grünland

Beachten Sie auch die neuen Vorgaben der Pflanzenschutzmittel-Anwendungs-Verordnung.
Der Einsatz Glyphosat-haltiger Mittel ist in Naturschutzgebieten, Nationalparken, gesetzlich geschützten Biotopen u.a., Wasserschutzgebieten und Heilquellenschutzgebieten seit 08.09.2021 grundsätzlich verboten.

Außerhalb der genannten Schutzgebiete dürfen Glyphosat-haltige Mittel auf Grünland flächig nur noch eingesetzt werden

  1. zur Erneuerung des Grünlandes bei einer Verunkrautung, bei der auf Grund ihres Ausmaßes ohne die Anwendung die wirtschaftliche Nutzung des Grünlandes oder die Futtergewinnung wegen eines Risikos für die Tiergesundheit nicht möglich ist, oder
  2. zur Vorbereitung einer Neueinsaat auf Flächen, die in eine Erosionsgefährdungsklasse nach § 6 Absatz 2 bis 4 der Agrarzahlungen-Verpflichtungen-Verordnung zugeordnet sind oder auf denen eine wendende Bodenbearbeitung auf Grund anderer Vorschriften nicht erlaubt ist.
Beachten Sie hierbei, dass ohnehin nur noch in diesem Jahr die Möglichkeit besteht, eine flächige chemische Unkrautbekämpfung durchzuführen. Ab 1.Januar 2022 ist nach Art. 3 Bayerisches Naturschutzgesetz auf Dauergrünlandflächen der flächenhafte Einsatz von Pflanzenschutzmitteln grundsätzlich verboten.
Außerdem ist nun auf Grünland bei allen Pflanzenschutzmitteleinsätzen (auch bei der Einzelpflanzenbehandlung) ein Abstand von 5 Metern zu Gewässern einzuhalten. Ausgenommen sind nur kleine Gewässer mit wasserwirtschaftlich untergeordneter Bedeutung.
Zudem sind förderrechtliche Einschränkungen zu beachten.

Rechtsvorschriften im Pflanzenschutz

Rechtsvorschriften im Pflanzenschutz

Bei den Auflagen den Durchblick behalten
Beachten sie neben den normalen Abstandsauflagen, die meist mit entsprechenden Düsen gelöst werden können, auch die Hangneigungsauflagen (z.B. NW 701, 705, 706 u.a.): Diese erfordern entlang von dauernd oder periodisch wasserführenden Gewässern bei Schlägen mit einer Hangneigung von über 2% einen unbehandelten, geschlossen bewachsenen Randstreifen, der je nach Auflage zwischen 5 und 20 m breit sein muss. Der Randstreifen ist nicht erforderlich, wenn die Bestellung im Mulchsaat- oder Direktsaatverfahren erfolgt. Allerdings muss bei der Mulchsaat zum Zeitpunkt der Behandlung die Mulchauflage aus fachlicher Sicht mindestens einen Bodenbedeckungsgrad von 30% aufweisen.
Bei den Hangneigungsauflagen spielt die Düse keine Rolle, sie dürfen daher nicht mit den Abdriftauflagen (NW600 bis NW609) verwechselt werden.

Abstandsauflagen sind ein Schwerpunkt im Kontrollplan Pflanzenschutz. Eine Übersicht zu den Abstandsauflagen finden Sie im Merkblatt Pflanzenschutz.
Die Abstandsauflagen sind unabhängig vom jetzt eventuell vorgeschriebenen Gewässerrandstreifen nach dem Volksbegehren "Rettet die Bienen" einzuhalten. Im Gegensatz zur Kartierung bei den Randstreifen nach Volksbegehren sind bei den Abstandsauflagen Pflanzenschutz ALLE ständig oder periodisch wasserführenden Gewässer betroffen, ausgenommen sind lediglich die nur gelegentlich wasserführenden Gewässer. Der Gewässerrandstreifen nach Volksbegehren kann allerdings auf die notwendigen Abstandsflächen je nach Pflanzenschutzmittelauflage angerechnet werden, wenn er die entsprechenden Vorgaben erfüllt.

Pflanzenschutz-Merkblatt Externer Link

Das BVL hat in einer Bekanntmachung festgelegt, dass zu Flächen, auf denen sich regelmäßig Personen aufhalten (also z.B. Wohngebiete, Privatgärten, Freizeitflächen usw.), zu deren Schutz eine grundsätzlicher Abstand von 2 m bei Flächenspritzung und von 5 m bei Raumkulturen einzuhalten ist. Mehr dazu im untenstehenden Link der LfL.
Außerdem ist darauf zu achten, dass der angrenzende Feldrand grundsätzlich nicht getroffen wird. Die äußere Düse muss also einen solchen Abstand zum Feldrand haben, dass dieser durch den Spritzkegel nicht getroffen wird. Kann dies durch die Fahrgassenanlage nicht gewährleistet werden, ist eine entsprechende Randdüse für die erste Fahrgasse im Randbereich zu verwenden.

Mindestabstände bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln - LfL Externer Link

Viele Düsen mit 90% Abdriftminderung anerkannt
Nachfolgend finden sie alle anerkannten abdriftmindernden Düsen bzw. die Universal-Düsentabelle.

Verzeichnis Verlustmindernde Düsen und Geräte und Düsentabelle - LfL Externer Link

Wichtige neue rechtliche Änderungen bei Glyphosat

Der Einsatz Glyphosat-haltiger Mittel ist in Naturschutzgebieten, Nationalparken, gesetzlich geschützten Biotopen u.a., Wasserschutzgebieten und Heilquellenschutzgebieten und zur Spätanwendung vor der Ernte seit 08.09.2021 grundsätzlich verboten.

Außerhalb der genannten Schutzgebiete dürfen Glyphosat-haltige Mittel auf Ackerland nur noch in einem der folgenden Fälle eingesetzt werden:

  • bei Mulch- und Direktsaaten
  • gegen Wurzelunkräuter wie Quecke, Ampfer, Winde, Landwasserknöterich und Ackerkratzdisteln auf den betroffenen Teilflächen sowie
  • auf Schlägen, die nach CC in eine Erosionsgefährdungsklasse eingestuft sind
Eine Anwendung ist grundsätzlich nur zulässig, wenn im Einzelfall vorbeugende Maßnahmen (geeignete Fruchtfolge, geeigneter Aussaatzeitpunkt, mechanische Maßnahmen, Pflugfurche) nicht durchgeführt werden können und andere technische Maßnahmen nicht geeignet oder nicht zumutbar sind. Wir empfehlen dazu, die Dokumentationshilfe der LfL zu nutzen.
Weitere ausführliche Hinweise der LfL Freising zu Glyphosat sind nachfolgend zu finden.

Anwendungsbeschränkungen für den Einsatz von Glyphosat Externer Link

Wichtige neue rechtliche Änderungen in für den Naturschutz bedeutenden Gebieten

In Naturschutzgebieten, Nationalparken, Nationalen Naturmonumenten, Naturdenkmälern und gesetzlich geschützten Biotopen gemäß § 30 des Bundesnaturschutzgesetzes, ausgenommen Trockenmauern im Weinbau, ist die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln nun teilweise verboten oder stark eingeschränkt. Vom diesem Verbot betroffen sind z. B. Zinkphosphid und Glyphosat, die Anwendung von Herbiziden sowie die Anwendung aller Insektizide, die mit den Bienenschutzauflagen B1, B2 oder B3 belegt oder die mit der Auflage NN410 als bestäubergefährlich eingestuft sind. Die Bienenschutzauflagen sind als NB-Anwendungsbestimmungen, z. B. als NB6611 oder NB6621 oder NB663 codiert.
Diese Verbote und Einschränkungen gelten auch in den FFH-Gebieten (Flora-Fauna-Habitat). Davon ausgenommen sind Flächen zum Gartenbau, Obst- und Weinbau, Anbau von Hopfen und sonstigen Sonderkulturen, zur Vermehrung von Saatgut und Pflanzgut sowie Ackerflächen, die nicht als Naturschutzgebiet, Nationalpark, Nationales Naturmonument oder Naturdenkmal ausgewiesen sind.
Weitere ausführliche Hinweise der LfL Freising sind nachfolgend zu finden.

Verboten: Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in für den Naturschutz bedeutenden Gebieten und an Gewässern Externer Link

Wichtige neue rechtliche Änderungen an Gewässern

Pflanzenschutzmittel dürfen entlang von Gewässern, ausgenommen kleine Gewässer mit wasserwirtschaftlich untergeordneter Bedeutung, innerhalb eines Abstandes von 10 Metern zum Gewässer nicht mehr eingesetzt werden. Der Abstand verringert sich auf 5 Meter, wenn auf dem 5-Meterstreifen eine ganzjährig geschlossen begrünte Pflanzendecke vorhanden ist. In vielen Fällen (aber eben nicht immer) ist diese Vorgabe bereits über den 5-Meter-Randstreifen nach Volksbegehren erfüllt. Betroffene Gewässer werden derzeit kartiert. In Mittelfranken gibt es für die Landkreise Neustadt/Aisch-Bad Windsheim und Fürth seit 01.07.2021 bereits eine rechtsverbindliche Kulisse für die Randstreifen nach Volksbegehren. Zum 01.07 2022 sollen die Landkreise Weißenburg-Gunzenhausen und Nürnberger Land sowie die kreisfreie Stadt Fürth folgen (derzeit kann hier ein Entwurf abgerufen werden). Betroffene Gewässer nach dem Wasserhaushaltsgesetz bzw. der Pflanzenschutz-Anwendungs-Verordnung sollen Ende des Jahres in einer separaten Karte dargestellt werden. Sie wird zusätzlich zur Kulisse nach Volksbegehren weitere Gewässer umfassen.
Deshalb ergeht die dringende Beratungsempfehlung, entlang von bereits kartierten Gewässern bzw. solchen, die eindeutig als bedeutsam anzusprechen sind (Kriterium z.B. Gewässer hat einen Namen), einen 5 Meter breiten Grünstreifen ab der Böschungsoberkante anzulegen.
Weitere ausführliche Hinweise der LfL Freising sind nachfolgend zu finden. Die Kulissen finden Sie beim zuständigen Wasserwirtschaftsamt bzw. im Umweltatlas Bayern.

Verboten: Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in für den Naturschutz bedeutenden Gebieten und an Gewässern Externer Link

Achtung: Wichtige Regelungen zur Guten Fachlichen Praxis, zum Anwenderschutz, Spritzen-TÜV, den Aufbrauchfristen, Dokumentation, Entsorgung

Landwirte und alle anderen Anwender von Profi-Pflanzenschutzmitteln müssen die allgemeinen Grundsätze des integrierten Pflanzenschutzes seit dem 1. Januar 2014 einhalten. Nachfolgend finden Sie dazu eine Broschüre mit ausführlichen Erläuterungen sowie einen Fragebogen zur Umsetzung des integrierten Pflanzenschutzes im eigenen Betrieb. Der ausgefüllte Fragebogen muss bei einer eventuellen Fachrechtskontrolle vorgelegt werden.

Überprüfung der Umsetzung des integrierten Pflanzenschutzes im Betrieb Externer Link

Auflagen zum Schutz des Anwenders sind Bestandteil der Zulassung und der Gebrauchsanleitung. Das Nichtbeachten dieser Bestimmungen kann die Zulassung von Mitteln gefährden. Beherzigen Sie daher die Auflagen zum Anwenderschutz. Ausführliche Informationen finden Sie auf den Seiten des BVL, die laufend aktualisiert werden.

Persönliche Schutzausrüstung beim Umgang mit Pflanzenschutzmitteln - Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit Externer Link

Im Juli 2013 ist die neue Pflanzenschutz- Geräteverordnung in Kraft getreten. Demnach müssen künftig Verfügungsberechtigte und Besitzer ihre in Gebrauch befindlichen Pflanzenschutzgeräte in Zeitabständen von sechs Kalenderhalbjahren (bisher vier Kalenderhalbjahre) prüfen lassen, also zukünftig alle drei Jahre statt wie bisher alle zwei Jahre. Mittlerweile sind die Übergangsvorschriften ausgelaufen, so dass sich der aktuelle Prüftermin immer anhand der Plakette ablesen lässt.

Hinweise der LfL zur Gerätetechnik Externer Link

Nutzen Sie die kommende Zeit, um ihre Dokumentation der Pflanzenschutzmaßnahmen zu vervollständigen und ihr Lager auf abgelaufene, nicht mehr einsetzbare Mittel zu überprüfen, um diese ordnungsgemäß zu beseitigen.

Bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln sind der Name des Anwenders, die behandelte Kultur, die Anwendungsfläche, das Pflanzenschutzmittel, die Aufwandmenge und das Anwendungsdatum aufzuzeichnen. Achten Sie dabei auf eine korrekte Bezeichnung der eingesetzten Pflanzenschutzmittel, um Fehler zu vermeiden.

Dokumentation von Pflanzenschutzmittelanwendungen Externer Link

Für alle Pflanzenschutzmittel, deren Zulassung nach dem 14. Juni 2011 regulär endet und für die kein Anwendungsverbot ausgesprochen wird, gilt folgendes: Nach Ende der Zulassung besteht eine Abverkaufsfrist von 6 Monaten für den Handel. Dies ist neu, da bisher nicht mehr zugelassene Mittel auch nicht mehr verkauft werden durften. Der Anwender hat nach Ende der Zulassung eine Aufbrauchfrist von maximal 18 Monaten. Beispiel: Bei Mittel XY endete die Zulassung am 31.12.2011, der Handel darf noch bis zum 30.06.2012 abverkaufen, der Anwender noch bis 30.06.2013 ausbringen. Mehr dazu im nachfolgenden Link.

Kürzere Aufbrauchfristen für Pflanzenschutzmittel - LfL Externer Link

Produkte, deren Aufbrauchfrist abgelaufen ist, dürfen nicht mehr eingesetzt werden.

Im neuen Pflanzenschutzgesetz vom 14.02.2012 wurde eine Beseitigungspflicht (§15) für bestimmte, nicht mehr einsetzbare Pflanzenschutzmittel eingeführt. Die Vorschrift ist CC-relevant. Sie sind auf der sicheren Seite, wenn Sie am besten alle Pflanzenschutzmittel, die keine Zulassung und keine Aufbrauchfrist mehr haben, ordnungsgemäß beseitigen, auch wenn nicht jedes dieser Mittel von der Beseitigungspflicht betroffen sein wird. Kontrollieren Sie daher in der noch ruhigeren Zeit ihr Lager und entsorgen Sie die Mittel, die nicht mehr angewandt werden dürfen, über Wertstoffhöfe oder Fachfirmen. Auch manche Landhandelsfirma bietet in unregelmäßigen Abständen Sonderaktionen hierzu an.
Die Liste Zusatzstoffe enthält auch diejenigen Mittel, die vor dem 14. Februar 2012 nach altem Recht gelistet worden sind. Sie sind am Datumseintrag 14.02.2022 in der letzten Spalte erkennbar. Gemäß der Übergangsregelung in § 74 Absatz 10 des Pflanzenschutzgesetzes sind diese Zusatzstoffe noch bis zum 14. Februar 2022 verkehrsfähig; auch die Aufbrauchfrist endet zu diesem Zeitpunkt.

Aktueller Hinweis zur Mäusebekämpfung

Mäuselöcher im Grünland

Mäuselöcher im Grünland

Die trockenen Jahre 2019 und 2020 haben regional zu einem starken Anstieg bei der Mäusepopulation geführt. Nur ein nasser Herbst und Winter kann die Population wieder effektiv reduzieren. Ansonsten kann bei beginnendem Befallsaufbau die Belegung der Mäuselöcher mit Giftweizen/Giftlinsen (3-5 Körner/Linsen pro Loch verdeckt mit Legeflinte ausbringen) einen wirksamen Beitrag leisten. Dies ist derzeit die einzige, regulär zugelassene chemische Bekämpfungsmöglichkeit. Es wird nochmals darauf hingewiesen, dass eine breitwürfige Ausbringung von Giftweizen bzw. -linsen verboten ist und zu Schäden bei Vögeln und anderen Tieren führen kann.
Nutzen Sie aber auch indirekte Maßnahmen wie das Aufstellen von Sitzstangen für Greifvögel (1 bis 2 Sitzstangen pro ha sind ausreichend).
Beachten Sie, die neuen Auflagen von Giftweizen bzw. Giftlinsen zum Einsatz in Vogelschutz- und FFH-Gebieten. Einsätze in Naturschutzgebieten sind generell verboten.

BVL konkretisiert Anwendungsbestimmungen für fünf Rodentizidprodukte Externer Link